Ebstorfer Landfrauen beenden Wintersaison / Vortrag von Jürgen Ritter über ehemalige deutsche Grenze

„Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“

Er bezeichnet sich selbst als „Bildermacher“: Der Barumer Jürgen Ritter hielt einen Vortrag bei den Landfrauen Ebstorf über seine Fotoarbeiten zur ehemaligen innerdeutschen Grenze. Foto: Karolat

Schatensen. Die Veranstaltungssaison des Landfrauen-Vereins Ebstorf endet traditionell mit einem gemeinsamen Frühstück. Am Sonnabend kamen rund 80 Frauen des Vereins im Gasthaus Wischhof in Schatensen zusammen, um die Wintersaison zu beenden.

Als Referent wurde der Barumer Fotograf Jürgen Ritter von der Vorsitzenden der Landfrauen, Gesine Harleß, begrüßt.

„Ein Tipp aus unserem Vorstand“, sagt sie im AZ-Gespräch auf die Frage, wie sie auf Ritter gekommen sei. Der Referent beeindruckte mit einem Vortrag über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Seit 34 Jahren dokumentiert Ritter diese und den ehemaligen Grenzverlauf.

„Ich habe eine große innere Freude erlebt, als die Grenze im November 1989 geöffnet wurde“, sagte Ritter, der sich selbst nicht als Fotograf, sondern als „Bildermacher“ bezeichnet. Er sei damals in seinem Labor gewesen und habe Bilder entwickelt, als er im Radio die Neuigkeit vom Fall der Mauer hörte. Als ihm klar wurde, dass es kein Scherz ist, saß er bis spätnachts vor dem Fernseher. Und schon am nächsten Morgen machte er sich auf nach Berlin. Dort entstanden beeindruckende Fotos.

„Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Es spricht von alleine, wenn man sich darauf einlässt“, erklärt Ritter. Er ist ab dem Jahr 1982 an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze gewandert und hat so beeindruckende Zeitdokumente mit seiner Kamera festgehalten. So ist er beispielsweise mit einem Beamten des damaligen Bundesgrenzschutzes ein Stück gemeinsam gewandert. Beide trafen auf Grenzschützer der ehemaligen DDR. Die Beamten stehen sich auf dem Foto, einer im Osten, der andere im Westen, nur einen knappen Meter voneinander getrennt gegenüber. „Gesprochen hat keiner“, erzählt Ritter. Man habe sich nur argwöhnisch betrachtet. „Das Foto machte weltweite Schlagzeilen.“

Durch seine Fotografie stand Ritter unter Beobachtung des Innenministeriums der ehemaligen DDR. „Man hat mir geraten, nicht mehr den Transitverkehr nach Berlin zu nutzen“, sagte der Barumer. Er reiste daraufhin nur noch mit dem Flugzeug nach Berlin.

Emotional berichtete Ritter, der 2007 mit dem „Einheitspreis“ geehrt worden war, von seinen Erlebnissen. Viele 1000 Bilder zeigen, wie sich die Grenze seit der Einheit entwickelt hat. An vielen Stellen hat die Natur die Grenze zurückerobert, vielerorts sind Narben geblieben, die immer an die Zeit der Trennung erinnern. Diese Erinnerungen hat Ritter in seinem Bildband „Die Grenze – Ein deutsches Bauwerk“ zusammen mit dem Autor Peter Joachim Lapp verewigt.

Auch bei den Landfrauen wurden Erinnerungen geweckt. Viele von ihnen hatten Verwandte in der DDR, die sie regelmäßig besuchten. Auch an das Packen von Weihnachtspaketen erinnerten sich viele lebhaft. „Es wurde immer alles genau aufgelistet, was in dem Paket zu finden war“, erzählte Gesine Harleß.

Von Meike Karolat

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