Haus Westerholz: Rechtsextremer Kaufinteressent

Ehemalige NS-Schulungsstätte: Kein Platz mehr für Herrenmenschen

+
Haus Westerholz bei Ebstorf wurde in den Dreißigerjahren als NS-Schulungsstätte für Führungskräfte der Hitlerjugend errichtet. 2022 zieht hier das Heim für seelisch Behinderte aus.

Ebstorf – Mitten im Wald, unter dem Dach alter Buchen erhebt sich der hohe Giebel von Haus Westerholz. Dunkles Fachwerk im Stil eines Bauernhauses, aufwendige Steinornamente. Vielleicht sind die Balken ein bisschen zu grade. Man könnte sagen, sie stehen in Reih und Glied.

2022 zieht das Heim für seelisch behinderte Menschen in einen Neubau in Lüneburg um.

Was wird dann aus der historischen Immobilie aus den Dreißigerjahren? Ebstorfs Bürgermeister Heiko Senking will verhindern, dass sich dort ein rechtsextremes Schulungszentrum einnistet.

Bürgermeister Heiko Senking.

„Der Geist der Vergangenheit wabert um diese Gebäude“, sagt Senking. Auch wenn Gerüchte über Bunkeranlagen auf dem Waldgelände im Eigentum des Psychiatrischen Krankenhauses Lüneburg keine Grundlage haben. Der Bau im Fachwerkstil wurde ab 1934 als Schulungszentrum für Führungskräfte der Hitlerjugend errichtet, weiß UWG-Ratsherr Jens Ziegeler zu berichten.

In einem ehemaligen Speisesaal soll es ein Wandgemälde mit einer Gruppe „nordischer Herrenmenschen“ geben, wie sie der nationalsozialistischen Ideologie entsprachen. Ein Gebäude mit dieser Vergangenheit, abgelegen in einem Waldstück – ein idealer Standort für ein Neonazi-Schulungszentrum. Bürgermeister Senking war alarmiert, als er im vorigen Jahr erfuhr, dass es einen entsprechenden Kaufinteressenten aus diesem Spektrum gebe.

Nähere Informationen über diesen Kaufinteressenten gibt es auf AZ-Nachfrage nicht. „Wir haben keinen Namen. Wir haben nur mehrere Hinweise“, betont Senking. Entsprechende Interessenten treten nach seiner Aussage auch nicht offen auf, sondern nutzen Stiftungen, Decknamen oder Strohmänner, um unerkannt zu bleiben. „Wenn ich als Amtsträger den Hinweis bekomme und nichts tue, mache ich mich mitschuldig“, sagt der Bürgermeister. „Die völkischen Siedler sind auf dem Vormarsch.“

Fleckenrat und Verwaltungsausschuss haben sich in einem Brief an die Lüneburger Gesundheitsholding als Träger des Psychiatrischen Krankenhauses und direkt an Oberbürgermeister Ulrich Mädge gewandt. Eine Antwort habe man noch nicht erhalten, moniert Senking.

Die Gesundheitsholding gibt sich auf Nachfrage der AZ eher wortkarg. „Von dem beschriebenen Kaufinteresse ist der Psychiatrischen Klinik nichts bekannt“, stellt Pressesprecherin Angela Wilhelm klar. „Was danach mit dem Grundstück und den Gebäuden geschehen wird, wird mit der zuständigen Gemeindeverwaltung abgestimmt werden.“

Für Senking ist wichtig, dass die Gesundheitsholding sensibilisiert ist. „Damit haben wir erreicht, was wir wollten.“ Fleckenrat und Verwaltungsausschuss in Ebstorf waren sich laut Senking einig, die NS-belastete Immobilie notfalls selbst anzukaufen, um eine rechtsextreme Nutzung zu verhindern.

VON GERHARD STERNITZKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare