Es ist noch Platz im Bus

Ebstorfs Bürgermeister Heiko Senking will unnötigen Verkehr vermeiden

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Heiko Senking mit seinem Kleinbus, in dem er ab dem 7. Oktober Mitbürger mit nach Lüneburg und zurücknimmt. Auf diese Weise will er unnötigen Verkehr vermeiden.

Ebstorf – Leben als Pendler: Morgens früher aufstehen als die anderen. Ins Auto steigen. Allein mit dem Radio, wie all die anderen in den vielen Autos auf der Straße. Kampf um den Parkplatz. Heiko Senking will nicht mehr allein fahren.

Ab dem 7. Oktober nimmt der Ebstorfer Bürgermeister und TuS-Vorsitzende Mitbürger morgens nach Lüneburg mit und nachmittags zurück.

Sieben freie Plätze hat er in seinem Fiat Talento, den er für seine Ferienwohnungen an der Nordsee angeschafft hat. „Es ist eine Verschwendung von Ressourcen, mit einem so großen Bus allein nach Lüneburg zu fahren“, findet Senking. „Man sieht, wie viele Leute nach Lüneburg fahren und zurück. Wir haben einen Verkehrskollaps in Lüneburg. Da ist jedes Auto weniger ein Segen. “ Und nebenbei können die Mitfahrer einen Schnack mit dem Bürgermeister halten.

Morgens gegen 6.30 Uhr und nachmittags gegen 15.30 Uhr will der 54-Jährige, der bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg arbeitet, Interessierte per Facebook und Instagram informieren, wann er startet. „Das kostet mich keine 20 Sekunden, das rauszuschicken.“ Gegen 6.45 Uhr hält Senking dann an der TuS-Geschäftsstelle an der Bahnhofsstraße 11. Am Nachmittag geht es um 15.45 Uhr an der Leuphana-Universität Lüneburg zurück. Interessant ist das etwa für Ebstorfer, die zum Arzt oder zum Shoppen nach Lüneburg wollen. Wer sich meldet, den nimmt Senking auch in Melbeck oder Velgen mit.

Geld verdienen will er mit dem Angebot nichts. Seine Mitfahrer bittet er um einen Euro Spende pro Fahrt, die er für ökologische und andere gemeinnützige Zwecke in Ebstorf verwenden will. Etwa für Blumensamen oder ein Basteln für Kinder, nennt Senking Beispiele.

Einen Personenbeförderungsschein benötigt Senking für den Kleinbus nicht, weil er seine Mitfahrer als Privatmann mitnimmt. „Das ist kein Taxi“, stellt er klar. Und auch der Versicherungsschutz sei geklärt.

Das Thema Mobilität beschäftigt Senking schon länger. Noch mitten im Wahlkampf um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Bevensen-Ebstorf warb der UWG-Politiker zusammen mit Konkurrent Martin Feller (Grüne) für ein Mobilitätskonzept. Kernidee: ein Bus, der die Gemeinden von Wriedel bis Himbergen verbindet und den Bürgern ohne Auto den Besuch beim Arzt oder im Waldemar ermöglicht (AZ berichtete).

Diesmal geht es um Verkehrsvermeidung. Nun hofft Senking, dass seine Idee Nachahmer findet: „Es wäre doch möglich, zusammenzurücken und was für die Umwelt zu tun.“ Wenn er am 7. Oktober die ersten Fahrgäste mitnimmt, ist der Kaffeebecher auch dabei. Senking hat mitgezählt: Insgesamt 754 Pappbecher habe er mit seiner Thermotasse bislang eingespart.

VON GERHARD STERNITZKE

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