Waltraut Hartmann: „Ich hab’s gern gemacht“

Ebstorferin erhält für ihr Engagement die Goldene Ähre

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Goldene Ähre für Waltraut Hartmann, die sich als Ratsfrau, Schöffin, Vorsitzende von Liedertafel, Heimat- und Kulturkreis sowie als Präsidentin des Partnerschaftskomitees engagiert hat.

Ebstorf – Zur Feierstunde hat Waltraut Hartmann vier Freundinnen ins Rathaus mitgebracht. Sie begleiten die Ebstorferin, die nach einer Erkrankung sehbehindert ist, im Haus und bei Spaziergängen. Früher hat sich die 74-Jährige selbst engagiert.

Für ihren jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz wurde sie am Montagabend von Bürgermeister Heiko Senking mit der Goldenen Ähre des Klosterfleckens Ebstorf ausgezeichnet.

Im Rahmen einer Ratssitzung heftete er ihr die Spange ans Revers und überreichte einen Blumenstrauß. Kommunalpolitik, Partnerschaftskomitee, Heimat und Kulturkreis und Liedertafel: Die Verlesung aller Engagements der gebürtigen Westpreußin erforderte Zeit. „Ich hab’s immer gern gemacht“, sagte die Geehrte mit einem Lächeln.

Als die Fernmeldebeamtin 1994 in den Fleckenrat gewählt wurde – später saß sie auch im Rat der Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf – war es immer noch nicht selbstverständlich, dass Frauen in der Kommunalpolitik mitmischen. „Ich hab’ ganz frech in meine Bewerbung reingeschrieben: Ich möchte keine Alibi-Kandidatin sein“, erinnert sich Waltraut Hartmann.

Beruf, Familie und Haushalt mit der Ratstätigkeit unter einen Hut zu bekommen, war nicht leicht. Aber die Ratsfrau war politisch interessiert und fuchste sich ein, trat dann auch der CDU bei. Besonders lag der Mutter eines Sohns am Herzen, auch die Ebstorfer Jugend einzubeziehen. Heute ist sie längst zweifache Großmutter und zweifache Urgroßmutter.

Gerade als Zugereiste – als Flüchtlingskind in Haarstorf aufgewachsen und 1973 in den Klosterflecken gezogen – engagierte sie sich gern für die Gemeinschaft. „Ich hatte hier eine neue Heimat gefunden, und sie war es wert, dass man sich darum kümmerte“, erklärt Waltraut Hartmann, die zudem 13 Jahre als Jugendschöffin am Amtsgericht Uelzen wirkte.

Wer ein Amt hat, bekommt schnell noch eines angehängt. So leitete sie auch den Heimat- und Kulturkreis Ebstorf und die Ebstorfer Liedertafel, damals einer der größten Chöre im Kreisgebiet.

Ihre wichtigste Aufgabe fand sie als Partnerschaftsbeauftragte des Klosterfleckens und Vorsitzende des Komitees für internationale Partnerschaften im Landkreis Uelzen. Besonders lag Waltraut Hartmann die Verbindung mit dem Plateau Nord/Est de Rouen am Herzen. „Mein Vater war im Ersten Weltkrieg an der Somme“, erinnert sie sich. „Ich fand es sehr, sehr wichtig, dass wir unter diese Feindseligkeiten einen Schlussstrich ziehen und was gemeinsam machen.“

VON GERHARD STERNITZKE

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