EWG stellt sich neu auf

AZ-INTERVIEW: Daniel Kötke, neuer Vorsitzender der Ebstorfer Wirtschaftsgemeinschaft

Daniel Kötke in seinem Büro.
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Daniel Kötke (31), Inhaber des Computer- und Netzwerkdienstleisters „Bits and Bytes“, ist neuer Vorsitzender der Ebstorfer Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

Wie sind die Betriebe über die Corona-Zeit gekommen? Welche Chance haben sie gegen den Onlinehandel? Und wie kann die Ebstorfer Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sie in dieser schwierigen Phase unterstützen. Darüber sprach AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke mit dem neuen EWG-Vorsitzenden Daniel Kötke.

Ebstorf – Der 31-Jährige IT-Systemelektroniker betreibt seit zehn Jahren im Klosterflecken den Computer- und Netzwerkdienstleister „Bits and Bytes“ mit sechs Mitarbeitern. Derzeit bereitet er die Eröffnung eines weiteren Geschäfts in Uelzen vor.

Herr Kötke, wie haben die Ebstorfer Betriebe die Corona-Zeit überstanden?

Für die Ebstorfer Betriebe, die schließen mussten, war es schwer, über die Runden zu kommen, weil es anfangs auch schwierig war, an die staatlichen Hilfen zu kommen. Wir und andere Initiativen in Ebstorf haben versucht zu helfen, aber vieles konnte man wegen der Corona-Maßnahmen nicht machen. Die aufmachen durften und Dienstleistungen anbieten, haben es gut gehabt, die Supermärkte auch.

Haben Sie Mitglieder verloren?

Verloren haben wir gar keine Mitglieder. Wir sind 64 Mitglieder aktuell. Aber einigen kam zugute, dass wir die Mitgliedsbeiträge ausgesetzt haben.

Waren die Bundeshilfen der einzige Rettungsanker oder gab es auch positive Entwicklungen?

Die Leute schätzen es hoffentlich wieder mehr, dass die Betriebe überlebt haben. Aber in den Sommermonaten war in Ebstorf nicht viel los. Die Aktion Heimatshoppen hat gar nicht funktioniert. Die Einzelhändler hatten auch keine Lust, Aktionen zu machen, weil alle mit sich selbst beschäftigt waren, sei es, um irgendwelche Hilfen zu beantragen oder etwas mit dem Steuerberater zu klären. An die Hilfen war teilweise nicht leicht ranzukommen. Die wirklich die Hilfe benötigten, konnten sie nicht nutzen, weil da noch irgendwelche Rücklagen waren. Man merkt jetzt, dass es wieder mehr wird, aber es hat lange gedauert, bis der Aufschwung kam.

Wachsende Konkurrenz durch den Onlinehandel

Es gab die Hilfsaktion „Baum des Zusammenhalts“. Menschen haben zugesagt, dass sie im Klosterflecken essen gehen, lokal einkaufen. Wie nachhaltig ist das?

Also ich glaube, nachhaltig eher nicht. Die Menschen haben eher gelernt, wie einfach es ist, online einzukaufen. Man braucht nicht ins Auto zu steigen. Man bekommt die Ware geliefert, kann sie zurückschicken. Wir haben das Amazon-Lager in Winsen. Spätestens nächstes Jahr kriegen wir Tageslieferungen. Der Einzelhandel wird nur noch funktionieren, wenn die persönliche Basis da ist und man dahintersteht, wenn man eine Dienstleistung anbietet, wenn die Leute das Gefühl haben, dass sie persönlich beraten werden. Ich bin jemand, der es schön findet, mal rüberzugehen, der gerne im Ort einkauft. Das sollte meine Generation zu schätzen wissen. Sonst wird es sehr einsam, wenn man durch den Ort geht.

Mit welchen Maßnahmen können die Betriebe gegen den Onlinehandel bestehen – und gerade diejenigen erreichen, die den Service bislang nicht genutzt haben?

Was ich immer sage, den Service muss man voranbringen. Man muss bei Facebook, Instagram präsent sein. Man muss mit der Zeit gehen. Man muss Aktionen machen, und wenn es nur darum geht zu zeigen, wie individuell man ist. Wir von der EWG versuchen den Betrieben jetzt zu helfen. Wir haben mit den Vereinen einen Deal. Jubilare erhalten Gutscheine, die sie bei den teilnehmenden Betrieben einlösen können. So versuchen wir, die Leute in Ebstorf zu halten. Bis jetzt kommt die Aktion super an.

Von der EWG war zeitweise wenig zu hören. Sie haben sich neu aufgestellt. Ein Generationswechsel?

Genau. Man muss mit der Zeit gehen. Wir waren vorher ein toller Vorstand. Aber es war schwierig zu vermitteln, dass man mal neue Wege gehen und neue Ideen haben muss. Es war notwendig, dass wir uns neu aufstellen. Mit einem frischen Vorstand, in dem die junge Generation überwiegt, ist das leichter. Wir haben viele Ideen. Eine setzen wir schon um.

Verraten Sie uns, welche!

Wir haben uns gegen das Fensteröffnen im Advent entschieden, coronabedingt. Wir wollen diesmal eine Weihnachtsbude aufbauen, die Weihnachts-Beach. Dort wird es Glühwein geben. Was wir verdienen, spenden wir an eine von uns noch nicht genannte Einrichtung in Ebstorf. Wir haben die Gutscheine angestoßen. Und ab nächstem Jahr möchten wir auf unserem Internetauftritt, sei es bei Facebook, Instagram oder auf unserer Webseite, monatlich oder alle zwei Wochen Betriebe vorstellen. Wenn die Leute nach Ebstorf kommen, können Sie auf die Seite schauen: Welche Betriebe gibt es in Ebstorf? Was wird angeboten?

Irgendwie naheliegend.

Einfach mal zeigen, dass Ebstorf zum Einkaufen geeignet sein kann. Wir wollen die Beach umstrukturieren. Ich darf nicht so viel sagen, aber wir haben viele Ideen. Und wir planen eine neue Aktion, wenn Corona es zulässt.

Nur auf dem Land leben, weil es schön ist, ist das eine. Aber ohne die Wirtschaft, die Steuern zahlt, funktioniert das nicht.

Daniel Kötke, EWG-Vorsitzender

Man muss was tun, damit die Kunden kommen.

Mittlerweile wächst Ebstorf, aber die Leute arbeiten nicht hier und sie kaufen hier nicht ein. Aber, was ich immer sage: Nur auf dem Land leben, weil es schön ist, ist das eine. Aber ohne die Wirtschaft, die Steuern zahlt, funktioniert das nicht. Es muss auch Kindergärten geben, neue Straßen, Laternen.

Die Ballung der Supermärkte im Süden des Klosterfleckens wächst, ein neuer Edeka-Markt ist geplant. Da gibt es keine Lösung für den Ortskern?

Leider nein. Was die Händler traurig macht, dass ein Einzelhandelskonzept erstellt wurde, ohne die Betriebe zu fragen. So funktioniert das Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft, finde ich, nicht. Aber wenn man es ehrlich einschätzt, haben wir hier im Ortskern keinen Platz für einen Supermarkt. Wir hoffen, dass Rossmann bleibt. Die Parksituation im Ort ist schlecht. Es wäre schön, wenn auf dem Rathausvorplatz Parkplätze entstehen könnten. Das Leben soll sich hier abspielen.

Sehen Sie Chancen für Neuansiedlungen?

Das wird schwierig in der aktuellen Situation.

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