Eine Erinnerung an jedes Kind

Ebstorfer Nachwuchs soll sich in Pflastersteinen verewigen

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Die Ebstorfer Kinder sollen ihre Hand- oder Fußabdrücke in Ton hinterlassen. Die gebrannten Steine sollen in Fußwegen im Klosterflecken verlegt werden.

Ebstorf – Das ist das Schicksal der Provinzjugend: Nach der Schule schwärmen die jungen Leute aus, um zu studieren, eine Ausbildung zu machen oder einfach die Welt kennenzulernen. Nur ein Teil findet seinen Weg in der Heimat, Eltern und Alte bleiben zurück.

Der Klosterflecken Ebstorf und die Mauritius-Schule planen jetzt eine Aktion, um die Erinnerung an alle Ebstorfer Kinder zu bewahren: das Projekt Lebenssteine.

„Wir wollen die Kinder, die in Ebstorf geboren werden, verewigen“, kündigt Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf an. Das Prinzip ist einfach. Häufig dokumentieren Eltern die Babyhände ihrer Kinder in Gips. Die weiche Masse erstarrt und ergibt eine schöne Erinnerung, die gern auch an Paten und Großeltern verschenkt wird.

Im Flecken, geprägt durch die jahrhundertealten Backsteingebäude des Klosters, darf es auch Ton sein, in den die Kinder im Alter von zwei Jahren ihre Hände oder Füße drücken sollen. Mit den Namen versehen und im Ofen gebrannt sollen die ziegelroten Platten die Gehwege im ganzen Klosterflecken zieren, so Oelstorf. „Damit die Kinder vielleicht später einmal sehen können: Hier kommen wir her, hierher kommen wir zurück.“

In diesem Jahr sollen zum ersten Mal bei einer Begrüßungsveranstaltung die Abdrücke genommen und bei einem späteren Termin die Steine verlegt werden. Alle Eltern des Jahrgangs 2017 wurden jetzt von der Verwaltung angeschrieben. Termine stehen allerdings noch nicht fest. Zukünftig können sich die Kinder – rund 50 werden jedes Jahr in Ebstorf geboren – zweimal im Jahr in Ziegelsteinen verewigen.

Entstanden ist die Idee für die Lebenssteine aus den Beratungen des Arbeitskreises Stadtentwicklung Ebstorf heraus. Gesucht wurden Maßnahmen, um etwas für die Familien im Klosterflecken zu tun. Bürgermeister Heiko Senking ist jedenfalls begeistert von der Aktion. „Bäume gehen ein, aber Steine bleiben“, erklärt er.

Gebrannt werden sollen die Lebenssteine von Schülern der Mauritius-Schule im schuleigenen Keramikofen, berichtet Schulleiter Thomas Gudella. Schüler und Lehrer sollen dann als Paten an der Verlegung der Steine teilnehmen. So entsteht eine Kette Ebstorfer Schüler.

„Die Aktion soll die Verbundenheit von Ort und Schule mit den Menschen symbolisieren“, sagt Schulleiter Gudella. Später, wenn der Ebstorfer Nachwuchs eingeschult werde, könnten die Klassen die Abdrücke ihrer Schüler auf Ebstorfs Straßen besuchen.

VON GERHARD STERNITZKE

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