Vertrauensverhältnis ist zerrüttet

Ebstorfer Konventualinnen berichten: Einsam im Kloster

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Das Kloster Ebstorf, eine kleine Welt unter Leitung von Äbtissin Erika Krüger. Das Bild mit dem Modell entstand 2014 anlässlich der bevorstehenden Sanierung der Klosterkirche.

Ebstorf – „Gott segne und behüte Dich. Gottes Geist beflügle Deine Schritte... Gott begleite Dich, heute, morgen und alle Tage.“ So lautet der Ebstorfer Reisesegen. Doch vom Kloster selbst scheint Gottes Segen gewichen zu sein.

Nur noch eine Konventualin – so heißen die evangelischen Damen – lebt noch in der mittelalterlichen Anlage, viele sind gegangen. Die Klosterkammer fordert die Äbtissin zum Rücktritt auf. Was ist los hinter den Klostermauern?

Während Äbtissin Erika Krüger die Klosterkammer verantwortlich macht, weil diese die Aufnahmeanträge interessierter Frauen verschleppe – nun schweigt sie unter Hinweis auf anhängige Gerichtsverfahren – reden verschiedene andere Personen, die Bezug zum Kloster haben. Sie zeichnen das Bild einer machtbewussten Äbtissin, die die Mitspracherechte der im Konvent versammelten Damen übergeht. Von Mobbing, Misstrauen und heimlichen Blicken auf dem Flur ist die Rede.

Konventualin Monika Suhr

Monika Suhr ist die letzte Konventualin, die im Kloster lebt. Sie erzählt von der Gemeinschaft, die sie in dem evangelischen Damenstift erlebt hat. „Jetzt lebe ich in einem Mehrfamilienhaus ganz allein“, sagt die 78-Jährige. „Es ist keine Gemeinschaft mehr. Das Behütet-Sein ist verloren gegangen.“ Die Äbtissin stütze sich auf Gast-Damen, die der Konvent ablehne. Gesprochen werde nur das Notwendigste. Erika Krüger dulde keinen Widerspruch. „Halten Sie den Mund, das geht Sie nichts an“, zitiert die studierte Soziologin die Äbtissin.

In dem Konflikt geht es auch um Geld, um Aufwandsentschädigungen für Führungen, die Generationen von Konventualinnen angespart haben, um kleinere Anschaffungen zu finanzieren. Diese Kasse soll Äbtissin Krüger dem Konvent entzogen haben, ist zu hören. Die Klosterkammer hält sich bedeckt: „Zu der Frage, wie diese Mittel haushaltsrechtlich zu behandeln sind, ist gegenwärtig ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg anhängig“, informiert Dr. Stephan Lüttich, Abteilungsleiter Klöster und Stifte.

Konventualin Susanne Peters, die im Kloster Mariensee bei Hannover Aufnahme fand, spricht von schweren Auseinandersetzungen mit der Äbtissin. „Sie hat gesagt, sie würde den Konvent bereinigen. Sie würde uns schon rausbekommen“, berichtet die 55-Jährige, die im Management eines IT-Unternehmens tätig war.

Der Konvent bat 2016 in einem Brief an die Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Erika Krüger ihres Amts zu entheben. „Mithin ist das Vertrauensverhältnis zwischen Äbtissin und Konventualinnen unwiderruflich zerstört und nicht wiederherstellbar“, hießt es in dem Schreiben. Unter anderem habe die Äbtissin die Konventualinnen von ihren Aufgaben entbunden.

Die Zeit sei nervlich sehr belastend gewesen, erzählt Susanne Peters. „Es war traurig, zu sehen, dass die christlichen Werte nicht gelebt wurden.“ 2015 war Erika Krüger offenbar bereit, ihr Amt abzugeben. Mit einer Anzeige in einer Wochenzeitung suchte sie eine Nachfolgerin. Doch über die Bewerberinnen wurden sich Konventualinnen und Äbtissin nicht einig.

In den Dienstverträgen der Äbtissinnen von fünf der sieben Heideklöster ist laut Klosterkammer eine Altersgrenze von 70 Jahren festgeschrieben. Erika Krüger ist dagegen auf Lebenszeit gewählt. Nach der Klosterordnung kann nur der Minister sie von ihrem Amt entbinden, wenn die Äbtissin aufgrund ihres Alters zur Ausübung des Amts nicht mehr in der Lage ist oder grob gegen Pflichten verstößt. „Es muss einen Wechsel geben“, sagt Konventualin Suhr. „Ich bete drum.“

VON GERHARD STERNITZKE

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