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Ebstorfer Genossenschaft bringt Hanf auf den Acker

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Spezialmähdrescher bei der Hanfernte.
Für die Ernte der bis zu drei Meter hohen Nutzhanfpflanzen schafft die VSE einen Spezialmähdrescher an, der Halme und Samen separat erntet. © Symbolfots: Imago

Wo die charakteristischen handförmigen Blätter auftauchen, ist üblicherweise die Polizei zur Stelle. Hanf ist allerdings auch eine alte Nutzpflanze mit vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten. Die Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE) starten in diesem Jahr ein Pionierprojekt für Nutzhanf.

Ebstorf – 30 Landwirte bauen die bis zu drei Meter hohe Pflanze zunächst auf 300 Hektar Fläche an. Für Kiffer lohnt sich der Besuch auf den Versuchsflächen übrigens nicht. Die zwei Sorten, die im April ausgesät werden, enthalten gemäß EU-Verordnung nicht mehr als 0,3 Prozent THC. Für eine bewusstseinsverändernde Wirkung reicht das nicht.

Genutzt werden sowohl die Fasern als auch die Samen der wärmeliebenden Pflanze. Letztere werden als Öle in der Kosmetik und der Ernährung sowie als Futtermittel genutzt. Erstere taugen als Dünger oder Bekleidung, vor allem aber als ökologischer Baustoff. Aus Hanffasern werden Dämmplatten hergestellt. In Verbindung der holzigen Teile mit Kalk entstehen Hanfputze und -steine.

Es passt in den Trend der ökologischen Bauweise.

Dr. Christoph Hauser, VSE-Geschäftsführer

„Es passt in den Trend der ökologischen Bauweise“, sagt VSE-Geschäftsführer Dr. Christoph Hauser. Denn der Hanf verbessert nicht nur das Raumklima, sondern ist auch noch klimafreundlich. Wie Holz bindet die Hanfpflanze im Wachstum das aufgenommene Kohlendioxid. „Solange das Haus steht, ist das CO2 80 oder 100 Jahre gebunden“, betont Hauser.

Dr. Christoph Hauser, Geschäftsführer der Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE).
Dr. Christoph Hauser, Geschäftsführer der Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE), sucht nach neuen Einnahmemöglichkeiten für die Mitgliedsbetriebe. © Privat

Für die Landwirte in der Heide bietet die anspruchslose Pflanze weitere Vorteile im Anbau. „Das ist eine total ökologische Pflanze. Sie hat ein sehr gutes Wurzelwerk, das Wasser und Nährstoffe hält, und braucht kaum oder keinen Pflanzenschutz“, erklärt Hauser. Im Sommer sind tägliche Wachstumsraten von fünf bis 15 Zentimetern möglich.

Die VSE schafft für den Versuchsanbau einen Spezialmähdrescher an, der Samen und Stängel getrennt erntet. Anschließend bleibt das Hanfstroh zunächst für zwei bis drei Wochen auf dem Feld liegen, damit sich unter dem Einfluss von Wärme und Feuchtigkeit die Faser vom holzigen Kern löst. Anschließend wird es bei der VSE geröstet werden die Fasern zu Ballen gepresst, während die Samen geröstet werden. „Wir trocken die Samen sorgfältig, um die Ölmuster nicht zu zerstören“, erläutert Hauser.

Hanf als Grundstoff für gesunde Nahrungsmittel, Kleidung und Baustoffe

Für die Weiterverarbeitung hat die VSE eine niederländische Firma gefunden, die auf Hanfprodukte spezialisiert ist. Die Dämmplatten aus Ebstorfer Hanf will Hauser anschließend auch über die VSE-Raiffeisenmärkte an den Mann oder die Frau bringen.

Mit seiner Idee stößt der neue Geschäftsführer bei den Bauern auf offene Ohren. So wurden aus zunächst geplanten 100 schnell 300 Hektar Anbaufläche für das Pionierprojekt, das Mitgliedern und VSE möglicherweise wie der bereits begonnene Anbau von Tulpenzwiebeln wie auch Arzneipflanzen neue Einnahmequellen erschließt.

Überhöhte Erwartungen an das neue Anbauprodukt Hanf dämpft der Geschäftsführer: „Wir stehen ganz am Anfang. Das ist ein Lernprozess. Jeden Schritt machen wir zum ersten Mal.“ Und dann ist da ja noch die von der Bundesregierung angekündigte kontrollierte Freigabe von Cannabis. Ob die VSE eines Tages auch den Stoff liefert, aus dem Joints gedreht werden, lässt Hauser offen.

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