Apotheker Tobias Winter gibt Einblicke in private Sammlung

Ebstorfer Apotheken-Museum ist eine wahre Schatzkammer

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Schlusspunkt der Führung mit Apotheker Tobias Winter ist die alte Ebstorfer Apotheke. Die Waage (Vordergrund) hat sein Vater Helmut Hans noch 1976 eichen lassen.

Ebstorf – Das Ebstorfer Apotheken-Museum ist eine wahre Schatzkammer. Apotheker Tobias Winter öffnete die private Sammlung jetzt für Interessierte.

An dieser Tür sind die Ebstorfer schon oft vorbeigegangen und vorbeigefahren. Die grünen Türflügel führen direkt in die Vergangenheit – in eine Zeit, als Apotheker ihre Medikamente selbst herstellten. Zwölf Interessierte nahmen jetzt an einer Führung durch die Sammlung teil, die Anlass zum Staunen und Einblicke in die Pharmazie, die Wissenschaft von den Arzneimitteln, gab.

Es geht darum, dass dies für nachfolgende Generationen erhalten wird.

Tobias Winter, Apotheker

Eine deutschlandweit einmalige historische Anlage zur Herstellung von Destillaten.

Krönender Schlusspunkt der Führung ist der alte Apotheken-Verkaufsraum, Offizin genannt, der alten Apotheke in der Hauptstraße 36. Ein Raunen geht durch die kleine Schar, als Apotheker Tobias Winter die Besucher hineinlässt. Unzählige Arzneimitteldosen und -flaschen sind in der warm-braunen Mahagoni-Einrichtung aus der Biedermeier-Zeit aufgereiht. Auf dem Tresen steht der Waagen-Turm in Form eines Obelisks, den Winters Vater Helmut Hans noch 1976 hat eichen lassen.

Er hat in den neunziger Jahren das kleine Privatmuseum aufgebaut. Für seinen Sohn, der die Ebstorfer Apotheke 2012 übernommen hat, ist die wertvolle Sammlung eine Verpflichtung. „Es geht darum, dass dies für nachfolgende Generationen erhalten wird. Das ist Geschichte“, sagt Tobias Winter.

Die Besucher erfahren, dass die wertvolle Apothekeneinrichtung sozusagen aus Abfall entstand, denn damals, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Geld knapp. Der Tischler verwandte deshalb Apfelsinenkisten aus dem Hamburger Hafen. Und die waren eben aus dem Hartholz aus Übersee gezimmert.

Das Magazin mit unzähligen Schubladen, in denen Pflanzenbestandteile lagerten.

Unzählige grau gestrichene Schubfächer im Magazin sind mit den Namen von Pflanzenblüten-, -blättern und -wurzeln beschriftet, denn ihre Wirkstoffe waren die Grundlage der meisten Medikamente. Dabei bedeutet pflanzlich nicht unbedingt harmlos, wie das Beispiel Fingerhut beweist. Digitalis, so der lateinische Name, kommt bis heute in Herzmedikamenten vor, wird aber allmählich ersetzt, berichtet Apotheker Winter.

Zur Unterscheidung der Arzneien gab es drei Kategorien von Schildern, die bis heute Gültigkeit haben. Schwarz auf Weiß beschriftet waren die unbedenklichen Medikamente, rot auf Weiß die mit einer starken Wirkung, weiß auf Schwarz aber die Gifte, von denen allenfalls kleinste Dosen verabreicht werden konnten. „Das ist so auffällig, dass sich der Apotheker auch nicht in der Hektik vergreifen kann“, erklärt Winter. Aus demselben Grund lassen sich die Schlösser des Giftschranks auch nur linksherum aufschließen.

Gläserne Kolben erinnern an Zeiten, als Apotheker ihre Medikamente selbst herstellten.

Im Labor, das nur so wimmelt von Mörsern, Glaskolben und Trichtern, wartet Winter mit einem deutschlandweit einmaligen Destillier-Apparat aus dem 19. Jahrhundert auf. „Alkohol ist das Haltbarmachungsmittel“, stellt der Apotheker klar.

Natürlich hatte die Ebstorfer Apotheke ihre Eigenmarke. EBS stand für „eigene bewährte Spezialitäten“. In Zeiten, in denen Arzneimittel nur noch verkauft werden dürfen, wenn sie wissenschaftliche Studien durchlaufen haben, mischt der Apotheker die Heilsalbe nur noch für den Hausgebrauch an.

• Eine zusätzliche Führung wird am Freitag, 30. August, um 16.30 Uhr angeboten. Anmeldung: (0 58 22) 29 96, touristinfo@ebstorf.de.

VON GERHARD STERNITZKE

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