Der Museums-Bahner streikt

Reb Custer kämpft um Grundsteuer-Befreiung für Ebstorfer Baudenkmal

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Die Flügeltür zur Wartehalle müsste dringend saniert werden. Reb Custer macht alles selbst.

Ebstorf – Eigentlich ist Colonel Reb Custer ja Musiker, und die Gitarre ist sein Instrument. Doch die Maurerkelle liegt dem Countrysänger fast genauso gut in der Hand.

Das kann auch gar nicht anders sein, denn seit er sich vor fünf Jahren im Ebstorfer Bahnhof niederließ, war immer was zu tun.

Die leerstehende, sanierungsbedürftige Wohnung des Stationsvorstehers wird als Mieteinnahme angesetzt.

Steine mussten ausgetauscht, bröckelnder Putz erneuert, eingeworfene Scheiben ausgetauscht werden. Doch jetzt fühlt sich der Hobby-Eisenbahner, der im Erdgeschoss ein Museum eingerichtet hat, ausgebremst. Die Gemeinde hat seinen Antrag auf Grundsteuererlass für das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1873 abgelehnt.

Custer ist entrüstet. „Da fühlst du dich wie’n Vollidiot“, sagt der 64-Jährige, den die Ebstorfer nur den Colonel nennen. „Ich fühle mich missachtet.“ So viel Arbeit habe er bereits in das Baudenkmal gesteckt. „Ganz abgesehen davon, dass die Veranstaltungen Geld kosten, zuzüglich Gema-Gebühren für die Musik und Veranstalterhaftung.“

Dabei sei der Grundsteuererlass auch Voraussetzung für Fördergelder, die er für die weitere Sanierung brauche. So müssen die historischen Holzfenster mit den kleinen Kapitellen ausgebessert, geschliffen und gestrichen werden. Custers besonderes Sorgenkind sind außerdem die alten Flügeltüren der Bahnhofshalle und der Expressabfertigung. Obwohl der Countrysänger sie bereits notdürftig gesichert hat, ist das Holz aufgespalten, Verbindungen haben sich gelöst. „Egal wie alt – das sollte original erhalten bleiben“, findet Custer.

Für einen Erlass der Grundsteuer muss der Eigentümer nachweisen, dass seine Aufwendungen höher sind als der eigene Nutzen und die erzielten Mieteinnahmen, betont Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf gegenüber der AZ. Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Die Verwaltung im Ebstorfer Rathaus hat eine Miete für eine leerstehende Wohnung angesetzt. „Diese Wohnung wird als vermietet angesehen, weil sie vorhanden ist“, ärgert sich Custer. Auch seine Eigenleistung werde nicht berücksichtigt.

Die Räume über dem Eingang waren einmal die beste Adresse an den Gleisen. Hohe Räume, große Fenster. Hier residierte einmal der Stationsvorsteher. Das ist allerdings lange her. Jetzt steht Gerümpel in der unrenovierten Wohnung. Hier möchte niemand einziehen. Custer selbst wohnt bescheiden unterm Dach, wo die Aussicht am besten ist.

Vom Klosterflecken ist er enttäuscht. „Ebstorf ist offensichtlich nicht an der Öffnung des Bahnhofsdenkmals für Events und Gäste interessiert“, folgert er enttäuscht. „Die Events sage ich deshalb bis auf Weiteres ab. Private Besuche sind natürlich immer möglich.“

Bürgermeister Heiko Senking zieht die Verwaltungsentscheidung nicht in Zweifel, aber er macht sich Gedanken, wie der Klosterflecken trotzdem helfen könnte. Custer habe viel Herzblut in den historischen Bahnhof gesteckt. „Meine Überlegung ist, ob man alle Baudenkmale von der Grundsteuer befreit. Das gilt gerade für den Bahnhof.“

VON GERHARD STERNITZKE

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