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„Das ist die gechillteste Rinderrasse“

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Von: Lars Lohmann

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 Constantin Jochims füttert die Wagyus auf der Wiese
„Sie sind ganz schön verfressen“, sagt Constantin Jochims über die Wagyus. Er züchtet sie zusammen mit Timo Rathing in Eitzen II. © Lohmann, Lars

Ein lebendiges Stück Japan mitten in der Lüneburger Heide steht auf einer Wiese am Ortsausgang von Eitzen II. Hier züchtet Constantin Jochims, Geschäftsführer von Heide Wagyu, zusammen mit seinem Geschäftspartner Timo Rathing die japanische Rinderrasse.

Angefangen hat alles 2018 mit vier tragenden Kühen. Inzwischen sind es 30 reinrassige Tiere, die neben anderen Rinderrassen nachts im Stall untergebracht sind und tagsüber auf den Wiesen unterwegs sind.

„Eigentlich haben wir zuerst nur rumgesponnen, was man mit dem Stall und dem Land machen könnte. Und dann habe ich vorgeschlagen, dort Wagyus zu züchten“, erinnert sich Jochims. Das war 2018, als er gerade seine Ausbildung auf dem Hof der Rathings in Brockhöfe machte. Stall, Ländereien und ein Haus in Eitzen II hatte die Landwirtsfamilie gerade geerbt. „Der Chef meinte dann nur, ich soll mal einen Plan machen“, sagt Jochims, der inzwischen in Osnabrück Agrarwissenschaften studiert.

Die Wagyus werden extensiv gehalten. Tagsüber sind sie auf der Weide, für die Nacht werden sie aber in den Stall geholt. „Wir haben hier regelmäßig ein Wolfsrudel, daher sind wir vorsichtig“, erklärt Jochims. Die Tiere selbst lassen sich schnell in den Stall locken. „Sie sind ganz schön verfressen“, sagt er mit einem Lachen. Neben dem Gras auf den Wiesen kriegen sie hauptsächlich Heu, Kraftfutter und die ein oder andere Kartoffel, die von den Händlern aufgrund ihres Aussehens nicht abgenommen wurde. Denn der Hof Rathing ist eigentlich ein klassischer Hackfrüchte-Betrieb und hatte bisher mit Rinderzucht nicht viel am Hut und hielt nur drei Rinder für die Kinder.

Mindestens 36 Monate leben die Ochsen auf dem Hof, bevor sie geschlachtet werden. Und damit laut Jochims dreimal so lang wie herkömmliches Mastvieh. Wagyus würden langsam wachsen und ihr Fleisch dadurch feine Marmorierung und ihren Geschmack erhalten. Die Kühe werden noch älter, weil sie für die Zucht genutzt werden. „Unsere Älteste ist sieben Jahre, die habe ich mit einem Pferdeanhänger aus Nürnberg abgeholt“, berichtet der Junglandwirt.

Ihn fasziniert vor allem das Wesen der Wagyus. „Das ist die ruhigste und gechillteste Rinderrasse, die ich kenne. Selbst unser Zuchtbulle ist tiefenentspannt“, sagt er. Alle reinrassigen Wagyus haben japanische Namen, so heißt der Zuchtbulle Liyojimbo. Die Herde selbst soll später maximal 60 Tiere umfassen. Zurzeit stehen aber noch ein paar andere Rinderrassen mit den Wagyus auf der Weide. „Wir holen auch mal ein paar Stühle raus und schauen den Rindern einfach zu, um dann vom Alltagsstress runterzukommen“, sagt Jochims.

Denn es steckt auch viel Arbeit darin, die Tiere zu vermarkten. „Zunächst mussten wir einen Fleischer finden und dann natürlich Kunden gewinnen“, sagt Jochims. Er habe viele Tage damit verbracht, Kunden von ihrem Wagyu-Fleisch zu überzeugen und Kontakte zu knüpfen. Einige Abnehmer befinden sich laut Jochims in der Region, die meisten in Hamburg und Hannover. Gleichzeitig wurde ein Online-Shop aufgebaut. „Da wir die Herde langsam aufbauen wollen, ist das Angebot aber noch begrenzt“, erklärt er. Die Wagyu-Zucht soll sich zu einem weiteren wirtschaftlichen Standbein entwickeln. „Landwirte müssen heute kreativ sein und Märkte finden“, sagt Jochims.

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