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Landkreis Uelzen erhielt bereits 2016 Hinweis auf Tiefflugtrassen

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Transporthubschrauber NH-90 mit einer befestigten Last.
Piloten werden auf den Flugtrassen im Kreis Uelzen im Transporthubschrauber NH-90 geschult. In der Gemeinde Wriedel sind diese ein gewohntes Bild. (Symbolbild) © DPA

Wer im Uelzener Kreisgebiet Windparks plant, muss mit der Bundeswehr rechnen. Durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg wurde vorigen Woche bekannt, dass 20 der 22 vom Landkreis festgesetzten Windenergieflächen auf Hubschraubertiefflugtrassen der Bundeswehr liegen – und daher nicht umsetzbar sind. Für den Landkreis kam diese Feststellung nicht ganz unerwartet.

Schatensen/Landkreis – Bereits 2016 hatte das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr auf das Problem hingewiesen. „Ob eine tatsächliche Beeinträchtigung militärischer Interessen vorhanden ist, kann erst bei Vorlage konkreter Daten wie Anzahl der Anlagen, Anlagentyp, Nabenhöhe, Rotordurchmesser, Gesamthöhe, Standortkoordinaten... beurteilt werden“, teilte die Behörde damals mit. Von den damals vorgesehenen 25 Windkraftflächen lagen nur fünf nicht in den Flugschneisen der Hubschrauber. Der Hinweis wurde zur Kenntnis genommen.

Ein in der Gemarkung Schatensen bei Wriedel geplanter Windpark scheiterte nach Aussage von Wriedels Bürgermeister Jörg Peter später am Widerspruch der Bundeswehr. „Ich hätte gedacht, das hätte auch vorher gesagt werden können“, kommentiert Peter. Andernorts hat die Bundeswehr notfalls auch erfolgreich kein Bauvorhaben geklagt. Das Problem für die Planer in der Kreisverwaltung: Die Tiefflugkorridore des Transporthubschrauberregiments zehn in Faßberg unterliegen der militärischen Geheimhaltung. Nur so viel verät eine Sprecherin des Bundesamts auf AZ-Nachfrage: Die Korridore sind drei Kilomter breit, und es wird teilweise sehr tief geflogen.

Die Tiefflugtrassen dienen der Aus- und Weiterbildung der Piloten an den in Faßberg stationierten Transporthubschraubern des Typs NH-90. Die Truppenübungsplätze allein seien dafür zu klein. „Luftfahrthindernisse in diesen Bereichen gefährden die Flugsicherheit und stellen eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben der Hubschrauberbesatzungen dar“, betont die Sprecherin.

Das Wummern der Rotoren gehört für die Bewohner in der Gemeinde Wriedel zum Alltag wie für andere der Lärm durchrauschender Züge oder einer Schnellstraße. Regelmäßig üben hier Besatzungen vom Fliegerhorst Faßberg Flugmanöver mit den dort stationierten Transporthubschraubern des Typs NH-90. Wie für den übrigen Flugverkehr gibt es auch für die Bundeswehrhubschrauber Trassen. Diese Routen unterliegen der militärischen Geheimhaltung, aber wo sie durch Windpark-Planungen tangiert werden, wird das Bundesamt für Infrastruktur der Bundeswehr aktiv.

„Das ist für uns eigentlich ganz normaler Betrieb der Bundeswehr“, sagt Bürgermeister Peter. „Das ist halt Training. Das sind wir hier gewohnt.“ Bei Tag und bis in die Nacht sind im Gemeindegebiet Hubschrauber unterwegs, und zwar im Tiefflug bis auf drei Meter. Auch Landemanöver und das Absetzen von Ladungen kommen regelmäßig vor. Häufig fliegen die Maschinen entlang der Truppenübungsplatzgrenze zwischen Brambostel und Wulfsode oder entlang der Bahnlinie in Richtung Ebstorf, hat Peter beobachtet. Von der Bevölkerung werde der Übungsbetrieb nicht infrage gestellt. Viele Bewohner sind selbst bei der Bundeswehr tätig.

Eine Rolle spielen auch die Radaranlagen der Bundeswehr zur Luftaumüberwachung. Im Fall des schließlich verhinderten Windparks Schatensen hätten zwei der sechs Anlagen nur mit Abschaltanlagen betrieben werden dürfen. Wie es nach dem OVG-Urteil weitergeht, ist noch offen. „Ein Wildwuchs neuer Windkraftanlagen in der Gemeinde wäre ein Horror“, findet Peter.

Das Bundesamt für Infrastruktur stellt auf AZ-Nachfrage klar, dass man den Ausbau der Windkraft grundsätzlich unterstützt. „Die Bundeswehr prüft deshalb im Rahmen der Planungs- und Genehmigungsverfahren in jedem Einzelfall, ob einem Vorhaben – gegebenenfalls auch unter Auflagen – zugestimmt werden kann“, betont eine Sprecherin und fügt hinzu: „Darüber hinaus können Windenergieplaner ihre Planungen auch vor Einleitung konkreter Planungs- und Genehmigungsverfahren kostenlos als informelle Voranfrage beim Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in Bonn auf Vereinbarkeit mit Bundeswehrbelangen überprüfen lassen.“

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