Ebstorf: Anlieger der Stadionstraße retten Buche vor dem Abholzen und pflastern beschädigten Gehweg in Eigenregie neu

Bürger stellen sich Baumfäll-Team entgegen

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An der Hauptstraße in Ebstorf wurden einige große Bäume gefällt. 

Ebstorf. Wenn es um das Fällen von Bäumen geht, hört für viele Bürger der Spaß auf. Die jüngsten Schlagzeilen aus dem gesamten Landkreis zeugen davon, dass Abholzaktionen viele Menschen betroffen machen.

Auch in Ebstorf wurden in den vergangenen Tagen und Wochen zahlreiche Bäume gefällt – einer Buche an der Stadionstraße allerdings wurde eine Galgenfrist gewährt. Als sie abgeholzt werden sollte, stellten sich ein Anwohner und seine Frau den Baumfällern energisch in den Weg. Und nicht nur das: Der Mann verlegt gerade die Fußwegsteine neu, damit die Buche nicht der Motorsäge zum Opfer fallen muss.

An der Stadionstraße greift ein Anwohner selbst zum Spaten, um den von den Baumwurzeln beschädigten Gehweg zu erneuern.

„Die Wurzeln sind nämlich gar nicht das eigentliche Problem“, sagt der Anwohner, als die AZ gerade vor Ort ist. Denn direkt unter dem Gehweg lag allerhand Bauschutt. Die Betonbrocken hat er fein säuberlich aus der Erde gehackt, den Boden wieder eingeebnet. Ohne dem Baum auch nur ein Wurzelhaar zu krümmen. Den Gehweg könne er nun ganz eben neu verlegen, kündigt der Anwohner an.

Klar, die Arbeiten sind anstrengend. Dem Ebstorfer rinnt der Schweiß von der Stirn, das Gesicht glüht. Mühsam hat er Stein für Stein aufgenommen, rammt er Spaten und Axt in den Boden, um die Fläche an der Buche einzuebnen. Von „besonderem Engagement“ will er aber nichts wissen. „Ach was“, knurrt er und winkt ab. „Was heißt hier engagiert? Das ist doch normal.“ Irgendwann in seiner beruflichen Laufbahn habe er mal mit dem Steinelegen Bekanntschaft gemacht, das könne er doch jetzt nutzen. Deswegen müsse man kein Aufsehen davon machen. Seinen Namen will er deshalb auch auf keinen Fall in der Zeitung lesen. Ein Foto? Schon gar nicht!

Am Schildenkamp wurden mehrere kleine Bäume gefällt.

Der Gemeinde Ebstorf hat der Anwohner an dieser Stelle wohl einige tausend Euro Ausgaben erspart. Weder das Baumfällen noch das Pflastern des neuen Gehwegs und möglicherweise die Pflanzung eines neuen Baums entfallen hier. Andernorts im Klosterflecken fielen die Bäume im großen Stil: an der Fischerstraße zum Beispiel, an der Allmelingstraße, an der Hauptstraße und auch Am Schildenkamp. Die Fällungen seien „allerdings zu einem großen Teil von der Bevölkerung gewünscht und von der Politik als erforderlich angesehen“, berichtet Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf. Wie berichtet, hatten vor allem Gehwegschäden wegen ausufernder Baumwurzeln für Beschwerden der Bürger geführt.

Die verhinderte Baumfällaktion an der Stadionstraße sieht er positiv. „Diese Entwicklung zeigt, dass wir in unserer Gemeinde interessierte Bürger, verantwortungsvolle Politiker und eine flexible Verwaltung haben. Handelt die Politik mit Umsicht und beteiligt sich der Bürger aktiv an politischen Entscheidungen, kann das nur gut für unsere Gemeinschaft sein“, lautet Oelstorfs Fazit dazu.

Von Ines Bräutigam

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