Warum dauert alles so lange?

Bürgerkritik an Information zu Ebstorfer Bauvorhaben Waldemar, Rathaus und Mensa

Das Freibecken des Waldemar Ebstorf ohne Wasser
+
Stein des Anstoßes: Das Freibecken des Waldemar Ebstorf bleibt geschlosssen, weil es über Risse im Boden große Mengen gechlortes Wasser verliert.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
    schließen

„Die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam“, sagt der Volksmund. Derselbe Vorwurf wurde jetzt auch bei einer Bürgerinformation der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf zum Waldemar, zum Rathaus und zur Grundschul-Mensa laut.

Ebstorf – Rund 200 Interessierte waren in das Ebstorfer Schützenhaus gekommen, um aus erster Hand zu erfahren, wie es es mit dem Rathaus, der Mauritius-Schule und dem Waldemar weitergeht. Besonders die Schließung des Freibads sorgt für Unmut (AZ berichtete). „Sie haben acht Monate gebraucht, um uns zügig zu informieren“, höhnte ein Besucher – und erneuerte einen Verdacht, der seit der Fusion immer wieder in Ebstorf laut wird: „Bevensen ist einfach wichtiger.“

Roland Klewwe, Bauamtsleiter der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf.

„Das ist gechlortes Wasser, das in das Grundwasser gelangt. Das ist nicht erlaubt.“

Roland Klewwe, Bauamtsleiter

Bereits 2013 bescheinigte ein Gutachten dem Waldemar einen Sanierungsstau. Im vorigen Jahr ergab eine Messung nach Saisonende einen Wasserverlust des Außenbeckens von 1200 Kubikmetern in 18 Tagen. „Das ist gechlortes Wasser, das in das Grundwasser gelangt. Das ist nicht erlaubt“, stellte Bauamtsleiter Roland Klewwe klar. Eine Ausnahmegenehmigung sei ausgeschlosssen, eine notdürftige Reparatur nicht möglich, da sich die Risse über den gesamten Beckenboden hinziehen. „Es gibt kein Abflussloch, das mit einem Stöpsel zu verschließen wäre.“

Größere Investitionen lohnen sich nicht, weil der Außenbereich im nächsten Jahr umgebaut werden soll. Das bedeutet gleichzeitig, dass auch die nächste Freibadsaison in Ebstorf ausfällt. Die Samtgemeinde hat deshalb das Hallenbad geöffnet. Dort laufen derzeit mehrere Schwimmkurse für Kinder.

Erst fehlen Mitarbeiter für die Planung, dann findet sich kein Planer

Unbefriedigend für viele Bürger ist es auch, dass die Planer wenig über die zukünftige Gestaltung berichten konnten. „Beim Waldemar sind wir am Anfang der Planungen“, informierte Samtgemeindebürgermeister Martin Feller. Allein ein Jahr Verzögerung ergab sich, weil Mitarbeiter zur Bearbeitung des Projekts fehlten, räumte Fachbereichsleiter Roland Klewwe ein. Anschließend habe man erst im dritten Anlauf einen Planer gefunden. Von „tiefer Enttäuschung“ war zu hören. Aber auch der Wunsch nach 50-Meter-Bahnen wurde laut und mit Applaus bedacht. Laut Planer soll die Umgestaltung bis Frühjahr 2023 umgesetzt sein.

Martin Feller, Bürgermeister der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf

Auch das Rathaus ist eine unendliche Geschichte. Bereits seit 2013 sind die Mängel grundsätzlich bekannt, schilderte Klewwe. Die Elektroanlagen seien den heutigen Anforderungen nicht gewachsen. Der Brandschutz macht neue Durchgänge und Außenfluchtwege notwendig. Dach und Heizung müssen erneuert werden. Zudem sei mit Asbest zu rechnen. Verantwortlich für immer neue Verzögerungen ist laut Feller jedoch die Politik, die Entscheidungen aufschob und schließlich den Anbau am Bevenser Rathaus wieder verwarf. Den Beschluss zur Sanierung des Ebstorfer Rathauses werde die Verwaltung jedoch jetzt umsetzen.

Grundschul-Mensa im Kaufhaus Kort?

Für Erstaunen sorgte die Mitteilung von Feller, dass die Samtgemeinde Kaufverhandlungen für das Kaufhaus Kort führt, um dort bis 2023 eine Mensa für die Mauritius-Schule zu schaffen. Nach dem Vorschlag von Ortsbürgermeister Heiko Senking sollte dort nach dem Wegzug der Kämmerei auch das verkleinerte Rathaus mit Bürgerbüro und Bücherei unterkommen. „Ohne Rathaus sieht die Wirtschaftlichkeit natürlich anders aus“, meinte Feller.

Den Vorwurf, dass der Klosterflecken in der Samtgemeinde im Nachteil ist, wies er zurück. Die Samtgemeinde baue das Freibad neu, saniere das Rathaus und schaffe die baulichen Voraussetzungen für die Ganztagsschule – und dies vor Bevensen, zählte Feller auf. „Das kann sich blicken lassen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare