Im Dreirad auf Werbetour

Brot-für-die-Welt-Mobil macht Station auf dem Ebstorfer Wochenmarkt

+
Mit Ape und Esel auf Werbetour für Brot für die Welt (von links): Andreas Scharnhorst, Propst Jörg Hagen, Madlen Schneider und die Ebstorfer Pastorin Anne Stucke auf dem Ebstorfer Wochenmarkt.

Ebstorf – Die Aufmerksamkeit ist ihnen sicher. Wo Andreas Scharnhorst und Madlen Schneider mit dem Ape-Dreirad auftauchen, wenden sich ihnen die Blicke zu.

Bereits 3.000 Kilometer haben die beiden in dem Minitransporter zurückgelegt, der in der Spitze 55 Stundenkilometer schafft. Am Freitag machten sie mit dem Brot-für-die-Welt-Mobil auf dem Ebstorfer Wochenmarkt Station.

Es ist Tag 45 der Tour. 60 Jahre alt ist die Aktion Brot für die Welt, die von den evangelischen Landeskirchen getragen wird. In der Zeit hat sich auch die Arbeit der Hilfsorganisation verändert, weg von der reinen Nahrungsmittel-Lieferung, hin zu einer nachhaltigen Unterstützung. „Hilfe zur Selbsthilfe“, umreißt Madlen Schneider das Prinzip. Im aktuellen Projekt in Sierra Leone geht es um Unterstützung bei der Landbewirtschaftung, darum, dass Kinder zur Schule gehen, statt auf den Feldern zu arbeiten, und um Ausbildung junger Erwachsener nach der Ebola-Epidemie.

Immer noch geht es darum, Menschen satt zu machen. „In letzten 40 Jahren hat sich viel verbessert. Die Zahl der hungernden Menschen beträgt elf Prozent“, erklärt Madlen Schneider. „Aber wenn man die absoluten Zahlen betrachtet, hat sich nichts verändert. 880 Millionen Menschen hungern auf der Welt.“ Dass die Bilder verhungerter Kinder aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sind, hat auch mit einem anderen Blick auf die Länder Afrikas zu tun. Bei Brot für die Welt legt man Wert darauf, dass die Hilfeempfänger in ihrer Not dennoch ihre Würde behalten. An den Stationen diskutiert Madlen Schneider auch darüber, was unser Lebensstil mit der Situation in anderen Teilen der Welt zu tun hat, etwa bei der Herstellung von Kleidung.

Als Maskottchen fährt auf dem Dreirad ein Plüsch-Esel mit. Das Grautier, das in der Bibel eine wichtige Rolle als Reittier des Messias’ spielt, steht als Lasttier für den globalen Süden, erklärt die Ebstorfer Pastorin Anne Stucke. „Die Unterstützung hilft auch, Fluchtursachen zu bekämpfen“, betont sie. „Wenn ein Mensch für sich eine Zukunft sieht, wird er seine Heimat nicht verlassen.“

Tatsächlich gehört der Kirchenkreis Uelzen zu denen, in denen die Gottesdienstbesucher besonders viel spenden, berichtet Propst Jörg Hagen. „Die Spender haben auch Vertrauen“, betont der Propst. Durch das Prinzip der Zusammenarbeit mit Partnern in den Zielländern sei sichergestellt, dass die Mittel vor Ort ankommen. Dabei erleben die Gelder der Spender eine erstaunliche Vermehrung durch das Entwicklungshilfe-Ministerium. „Aus jedem Euro Kollekte machen wir 4 Euro, 4,50 Euro Fördermittel“, verspricht Madlen Schneider.

Das Dreirad aber rollt weiter. Der Roller-Motor röhrt. Unterm Fahrersitz liegt das Reserverad. Ein Radio gibt es nicht. Es ist kuschelig in der Kabine. Nächste Station heute: der Heidepark Soltau.

VON GERHARD STERNITZKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare