Wertvoller Buchenbestand soll gesichert werden / Betretungsverbot in der Vegetationszeit

Bobenwald wird Naturschutzgebiet

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Der Bobenwald bei Ebstorf ist ein wertvolles Buchenwaldgebiet. Hier soll zukünftig die Natur Vorfahrt haben. Alte und absterbende Bäume bieten wichtige Lebensräume für seltene Tiere.

Ebstorf. Ein Trampelpfad führt vorbei an dicken Baumgestalten. Aberwitzige Aststümpfe und unheimliche Höhlungen beflügeln die Phantasie. Überall herabgefallene Äste. Mit Trommelwirbeln markiert der Schwarzspecht sein Revier.

Dieser Gang abseits der Wege ist zukünftig im Sommerhalbjahr tabu: Der Landkreis Uelzen will den Bobenwald westlich von Ebstorf unter Naturschutz stellen. Die Unterlagen liegen ab Montag öffentlich aus.

„Es handelt sich um einen alten, historischen Waldstandort mit hohen Altholzanteilen und einer der größten zusammenhängenden Flattersimsen-Buchenwälder der Lüneburger Heide“, erläutert Kreis-Sprecher Martin Theine. „Dieser Lebensraumtyp gilt EU-weit als gefährdet und ist daher mit seinen charakteristischen Arten besonders zu schützen.“

Der Hirschkäfer ist auf totes Eichenholz angewiesen.

„Je älter die Bäume werden, umso mehr Tierarten können an ihnen Lebensräume finden“, erklärt Oliver Richter, beim Forstamt Oerrel für Waldökologie und Naturschutz zuständig. Vor allem die Höhlen, die durch absterbende Äste entstehen, bieten Wohnungen für den Schwarzspecht, für das große Mausohr und andere Fledermausarten. Außerdem sind viele Laufkäferarten auf alte und absterbende Buchen und Eichen angewiesen.

Das Areal ist 210 Hektar groß, etwa 20 Prozent der vom Forstamt Bobenwald bewirtschafteten Fläche, ist bereits jetzt durch die europäische Schutzkategorie Flora-Fauna-Habitat (FFH) gesichert. Deutschland sei aber verpflichtet, diese Flächen bis 2018 unter Schutz zu stellen, betont Richter.

Das bedeutet nicht, dass die Landesforsten zukünftig kein Holz mehr schlagen. „Es bleibt Wirtschaftswald“, stellt er klar. Allerdings muss sich die Revierförsterei, die bereits jetzt einzelne alte Bäume für den Specht stehen lässt, an Auflagen halten. So dürfen die Förster zukünftig nur noch standorttypische Laubbäume pflanzen. Und die Fahrgassen für die Holzvollernter, Harvester genannt, können nur noch im Abstand von 40 Metern angelegt werden. Bislang galten 20 Meter, so weit, wie der Arm der Maschinen in den Wald reicht. Außerdem soll mehr Totholz im Wald bleiben.

Großes Mausohr vor dem nächtlichen Abflug.

Die Landesforsten gehen sogar noch weiter. Zwei Abschnitte des Bobenwalds mit insgesamt 45 Hektar werden ab 2021 als Areal für natürliche Waldentwicklung ganz aus der Bewirtschaftung genommen. Dort können dann Bäume so lange wachsen, bis sie absterben, und tote Stämme bleiben liegen. Diese Flächen sind dann Teil eines größeren Vorhabens des Landes Niedersachsen, mit dem insgesamt fünf Prozent der Waldfläche stillgelegt werden.

Kreis-Sprecher Theine weist darauf hin, dass die Bevölkerung das Naturschutzgebiet weiterhin für die Erholung nutzen kann. „Der Entwurf der Naturschutzgebietsverordnung sieht vor, dass es ganzjährig auf den Wegen betreten werden darf.“ Hunde müssen angeleint werden. Abseits der Wege sei ein Betretungsverbot während der Brut- und Setzzeit vorgesehen. Die Nordic-Walking-Wege, der Schöpfungsweg und das Radwegenetz sind weiterhin frei.

Ebstorfs Bürgermeister Heiko Senking (UWG) findet die Einschränkungen vertretbar: „Ein bisschen Ruhe kann der Wald gut vertragen.“

Von Gerhard Sternitzke

• Der Entwurf für das geplante Naturschutzgebiet Bobenwald liegt in der Zeit vom 12. März bis zum 12. April öffentlich im Ebstorfer Rathaus und im Kreishaus in Uelzen aus.

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