Kunst-Installation in Ebstorf: Diebe stehlen eines von drei Herdentieren

Blaues Schaf auf Abwegen

Sie sind nur noch zu zweit: Das dritte blaue Schaf aus der europaweiten Friedensherde von Künstler Rainer Bonk wurde in Ebstorf gestohlen. Foto: Bräutigam
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Sie sind nur noch zu zweit: Das dritte blaue Schaf aus der europaweiten Friedensherde von Künstler Rainer Bonk wurde in Ebstorf gestohlen.
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Ebstorf. Sie haben sich vorgenommen, für ein friedliches Miteinander und Toleranz durch die Welt zu ziehen. Und auch in Ebstorf sind drei blaue Schafe aus der Friedensherde von Blauschäfer Rainer Bonk aus Rheinberg bereits angekommen.

Auf dem Platz mit den sogenannten „Vergissmeinnicht-Steinen“ hatten sie sich zum „Grasen“ niedergelassen. Allerdings: Inzwischen sind die auffälligen Tierchen aus Polyesterharz nur noch zu zweit. Das dritte Schaf im Bunde wurde in der Nacht zu Mittwoch gestohlen.

Ulrike Beß und ihr Mann Karl-Heinz hatten das blaue Trio in den Klosterflecken geholt und bedauern sehr, dass schon nach kurzer Zeit ihre kleine Kunstinstallation beschädigt wurde. „Es geht uns mit der Aktion ja um ein friedliches Miteinander“, erklärt Ulrike Beß. Genau das sollen die blauen Schafe symbolisieren. Das Ebstorfer Paar hatte zum ersten Mal vor einigen Jahren auf der Landesgartenschau in Winsen/Luhe von diesem Projekt erfahren. „Meinen Mann hat das nie wirklich losgelassen“, sagt Ulrike Beß. Das Paar war fasziniert von der Idee, auf künstlerische Art und Weise zu dokumentieren, dass alle gleich sind. „Auch wenn viele da sind, ist ein friedliches Miteinander möglich“, nimmt die Ebstorferin auch Bezug auf die Flüchtlingssituation in diesem Land. Dass nun ausgerechnet eines dieser Symbole des Friedens und Miteinanders gestohlen wird, können sie und ihr Mann nicht nachvollziehen.

Der Standort in Ebstorf wurde von Ulrike und Karl-Heinz Beß ganz bewusst gewählt. Die „Vergissmeinnicht-Steine“ stehen für das Wartheland, das Sudetenland und Danzig-Ostpreußen, die einst zum Deutschen Reich gehörten. Schon 2015 gab es die Idee mit den blauen Schafen an diesem Standort. Doch die SPD im Rat des Fleckens wollte das Thema, grundsätzlich diskutiert wissen: Sie beantragte, die Steine entfernen zu lassen und „auf den Müllhaufen der Geschichte“ zu entsorgen, da sie mit ihrem Inhalt die Nazi-Zeit wiederbelebten. Der Antrag war abgelehnt worden.

Das Gelände ist Eigentum der Gemeinde. „Aber mein Mann pflegt das alles schon sehr lange“, sagt Ulrike Beß. So habe man mit der Gemeinde einen auf zehn Jahre festgelegten Pachtvertrag für die Fläche abgeschlossen und eine Genehmigung für das Aufstellen der blauen Schafe erhalten. Ulrike Beß weiß von einigen Bürgern, die angesichts der außergewöhnlichen Herdentiere besorgt um die Haushaltslage gewesen seien. „Es wurde kritisiert, dass die Gemeinde für so etwas öffentliche Gelder ausgibt“, weiß sie, kann aber beruhigen: „Das ist eine rein private Initiative von uns.“

Wer weiß, wo das dritte blaue Schaf jetzt ist, wird gebeten, sich bei der Ebstorfer Polizei zu melden: Telefon (0 58 22) 96 09 10.

Von Ines Bräutigam

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Hintergrund

Blaue Friedensherde 

Die blauen Schafe der Friedensherde sind in vielen europäischen Städten zu finden – sie stehen am Atomium in Brüssel, am Straßburger EU-Parlament, auf dem Prater in Wien, vor dem Rathaus am Hannoveraner Maschteich oder auch am Schloss Salitude in Stuttgart und vor dem Hamburger Michel. Sie alle stehen für eine tolerante Geisteshaltung. „Gezüchtet“ werden die blauen Schafe von Blauschäfer Rainer Bonk, der seine Blauschäferei 1998 gründete. Warum? „Bei all meinen künstlerischen Aktivitäten liegt mir der Themenkomplex der gesellschaftlichen Werte, insbesondere soziales und tolerantes Denken und Handeln sowie soziale Verantwortung am Herzen. Bewusstsein im Kontext sozialethischer Fragestellungen ein stückweit zu verändern ist mein Ziel“, lautet die Antwort auf seiner Homepage www.der-blauschaefer.de.

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