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Wirtschaftsminister lernt in Haarstorf Beregnungstechnik der Zukunft kennen

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Joachim Timm von der Uelzener Firma Fasterholt
Joachim Timm von der Uelzener Firma Fasterholt erläuterte Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann in Haarstorf die neue wassersparende Beregnungstechnik. © Sternitzke, Gerhard

Die Ausleger blitzen im Licht wie Feuerwehrleitern. Was der Beregnungsmaschine fehlt, die gestern auf dem Hof von der Ohe in Haarstorf bei Natendorf steht, ist die große Kanone, mit der das Wasser üblicherweise auf den Feldern verteilt wird. Stattdessen hängen an dem bis auf 66 Meter ausfahrbaren Gestänge Schläuche. Bei einem Besuch von Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann führt das Uelzener Unternehmen Fasterholt vor, wie Landwirte zukünftig effektiver ihre Felder bewässern können.

Haarstorf – „Das Wasser läuft hier durch und wird von dem Rädchen verwirbelt, so dass sich feine Tröpfchen bilden“, erklärt Joachim Timm, Geschäftsführer und Mitinhaber des Uelzener Unternehmens. Das Grundgerüst der Maschine stammt von dem dänischen Hersteller, die Ausleger mit der langen Reihe der Düsen hat Timm selbst entwickelt. Sie reduzieren den Verdunstungsverlust durch Wind und Sonnenstrahlung. Wie gut die Pflanzen mit Feuchtigkeit versorgt sind, können Landwirte mit speziellen Sonden verfolgen.

Ohne Internet auf dem Acker geht nichts

Allerdings hat die moderne Agrartechnik, wie modernecomputergesteuerte Beregnungen, die auch schwer zugeschnittene Äcker metergenau bewässern, einen Haken. Ohne mobiles Internet geht gar nichts mehr. Jedes Mal, wenn die Verbindung abreißt, erhält der Bauer eine Störungsmeldung aufs Handy und muss auch nachts raus, berichtet Timm.

Die Landwirtschaft braucht modernste Technik, ist Hofbesitzerin und Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der CDU Juliane von der Ohe überzeugt, die den Minister eingeladen hat. Durch den Klimawandel haben wir dieselben Niederschläge, aber nicht in der Vegetationsperiode“, erklärt die Landwirtin. „Wie kriegen wir das wassersparend hin, ohne dass die Qualität leidet?“ Die Wasserverbände müssen sich an vorgegebene Zehn-Jahres-Kontingente halten. Die Digitalisierung ist aus ihrer Sicht unverzichtbar: „Wir müssen Internet auf dem Feld haben – möglichst in Echtzeit.“

Landkreis Uelzen als Pilotregion?

An den Minister hat sie einen konkreten Wunsch: Der Landkreis Uelzen soll Pilotregion für Beregnungsökonomie mit entsprechenden Fördermitteln werden. Der Landkreis Uelzen mit fast 100 Prozent beregneter Ackerfläche, mit der Versuchsstation der Landwirtschaftskammer in Hamerstorf, einem Pilotprojekt des Landkreises zur Digitalisierung der Landwirtschaft und der Ostfalia-Hochschule biete die besten Voraussetzungen dafür. Untersucht werden könnten moderne Beregnungsmethoden wie die von Joachim Timm ebenso wie die Möglichkeit der Wasserspeicherung.

„Ich bin mir bewusst über die ernsthafte Situation in der Beregnung“, sagt Minister Althusmann. „Wir werden dazu kommen müssen, dass wir die Wassermengen anheben müssen.“ Bislang müssen die Beregnungsverbände Budgets einhalten. Seit dem Angriff auf die Ukraine gehe es auch um die Sicherheit der Lebensmittelversorgung.

Beim mobilen Internet gebe es derzeit eine Abdeckung von 97,5 Prozen, auf dem Land hapert es jedoch häufig, räumt der Minister ein. Hier müsse noch einmal eine Milliarde Euro investiert werden.

30 Prozent Wassereinsparung

Von Joachim Timm will er wissen, was die Beregnungsmaschine kostet. Allein das Gestänge beläuft sich auf bis zu 65 000 Euro, verrät der. Dafür sparen die Bauern bis zu 30 Prozent Wasser sowie auch Strom, rechnet der Experte vor. „Das Ding rechnet sich schon, aber die Anschaffung ist brutal.“

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