„Für uns ist das kriminell“

Barum: Stecken militante Jagdgegner hinter Attacken auf Hochsitze?

Die Leiter dieses Hochsitzes in der Gemarkung Barum ist mit roher Kraft zerbrochen worden. Im Dunkeln hätte der Jäger zu Schaden kommen können.
+
Die Leiter dieses Hochsitzes in der Gemarkung Barum ist mit roher Kraft zerbrochen worden. Im Dunkeln hätte der Jäger zu Schaden kommen können.

Barum – Hier müssen rohe Kräfte gewirkt haben. Die Holme der olivgrünen Aluminiumleiter sind durchgebrochen. An den Bruchstellen schimmert das Metall silbrig durch.

Irgendwann zwischen dem 22. und dem 27. November hat der unbekannte Täter den an eine Eiche gelehnten Jägerstand in der Gemarkung Barum zerstört. War es ein militanter Jagdgegner?.

Jagdpächter Wilfried Lindemann ist empört über die Tat. Erst recht, weil der Unbekannte die zerbrochene Leiter wieder an den Baum gestellt hat. Hätte er die vier Meter hohe Kanzel im Dunkeln bestiegen, hätte er sich verletzen können, meint der 77-Jährige. Und er erzählt von einem Jagdkollegen, dem die Leiter zum Jägerstand angesägt worden sei. Dieser sei im Spezialkrankenhaus Boberg gelandet. „Der liebe Gott hat gesagt: Fahr vorher hin“, sagt Lindemann. Dabei stellte er die Beschädigung fest. Bei der Polizei hat er Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Zuletzt machten vermehrt Meldungen über militante Jagdgegner die Runde. Im Landkreis Celle meldete die Polizei eine Serie von Angriffen auf Jagdeinrichtungen. Mehrere Jägerstände wurden angezündet, andere umgeworfen und zerstört.

„Wir hatten in drei Jahren ungefähr zehn Fälle von Sachbeschädigungen und Vandalismus an Hochsitzen und Jagdkanzeln“, teilt Kai Richter, Sprecher der Polizeiinspektion Lüneburg-Uelzen, auf AZ-Nachfrage mit. „Das kann verschiedene Gründe haben, aber neben Jagdgegnern kann es auch Vandalismus oder Streit mit Jagdpächtern sein.“ Die Aufklärungsquote ist gering, weil es in den meisten Fällen kaum Spuren gibt. Auch für den jüngsten Fall in Barum hat die Polizei noch keinen Tatverdächtigen. Richter geht von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Angriffe gar nicht gemeldet werden.

Auch Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge weiß von solchen Fällen zu berichten. Gerade sei ein Hochsitz mit Kot beschmiert worden. In Einzelfallen tappen die Täter in Fotofallen, mit denen Jäger beobachten, wie viel Wild sich an einem bestimmten Standort aufhält. „Dann wird das im Kleinen behoben, ohne die Polizei zu rufen“, berichtet Hellbrügge. Gefährliche Unfälle von Jägern seien im Kreis Uelzen noch nicht vorgekommen. Einer sei von einer Sprosse gerutscht.

„Die Leute machen sich keine Gedanken. Es kann Schlimmeres passieren“, betont der Kreisjägermeister. „Für uns ist das kriminell.“

VON GERHARD STERNITZKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare