Ebstorf: Anlieger sind gegen Öffnung des Stichwegs zu Neubaugebiet / Heute entscheidet der Rat

Bangen um „Rechte auf Leben“

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Dieser Stichweg soll mit der Ausweisung des Neubaugebiets „Südlich des Wessenstedter Wegs“ (Fläche im Hintergrund) geöffnet werden. Die beiden Anlieger haben dagegen Einwände erhoben. 

Ebstorf. Zwei Mal hat der Entwurf für den Bebauungsplan „Südlich des Wessenstedter Wegs“ jetzt ausgelegen. Heute, am Montagabend, werden die Mitglieder des Ebstorfer Fleckenrats über die dort geplante Ausweisung von rund 35 Bauplätzen per Aufstellungsbeschluss zu entscheiden haben.

Und so positiv die Entwicklung des Klosterfleckens auch überwiegend gesehen wird – gegen das Baugebiet am Wessenstedter Weg gibt es auch Einwände.

So sehen zwei Anlieger eines Stichwegs an der Straße Im Süsingskoppel unter anderem ihre „Rechte auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ verletzt. Auch das Gebot der Konfliktbewältigung und das Rücksichtnahmegebot sehen sie nicht gewahrt. Denn ihr Stichweg soll künftig eine Durchfahrt zum Neubaugebiet gewähren. Und davon sind die Anlieger nicht begeistert.

Denn durch die geplanten Maßnahmen, das zu erwartende Verkehrsaufkommen und „daraus resultierende Beeinträchtigungen wie Lärmbelästigung ist eine deutliche Verminderung der Wohnqualität zu erwarten“, schreiben die Anwohner an den Klosterflecken. Auch die Zersiedelung der Landschaft durch die Umwandlung einer landwirtschaftlichen Fläche in Bauland und die damit einhergehende Zerstörung eines in Jahrzehnten gebildeten naturnahen Lebensraums für Vögel, Kleintiere und Insekten kritisieren sie.

Der vom Flecken Ebstorf beauftragte Stadtplaner Henrik Böhme allerdings vermag vor allem letzteren Vorwurf nicht nachzuvollziehen. Bei fast jeder Neubaugebietsplanung werde landwirtschaftliche Fläche umgewandelt, trug er jüngst dem Bauausschuss vor. Insgesamt überwiege „das öffentliche Interesse an einer weiteren Wohnbauentwicklung des Grundzentrums Ebstorf“. Den Vorwurf, Rechte auf Leben und körperliche Unversehrtheit seien verletzt worden, weist er außerdem als „abwegig“ zurück.

Was die Öffnung des Stichwegs angeht: Eigentlich hatte der Landkreis sogar gefordert, das Neubaugebiet komplett über diese Straße zu erschließen. Diese Lösung sei am naheliegendsten gewesen und auch zulässig, so Böhme. Doch der Klosterflecken wollte nicht, dass der ganze Kfz-Verkehr an den Grundstücken der beiden Anlieger vorbeiführt. Im Übrigen hätten die beiden Anwohner sich auf die Möglichkeit einstellen müssen, das die einzige Stichstraße aus dem Straßensystem „Im Süsingskoppel“, die bis ans freie Feld heranführe, irgendwann einmal einer Siedlungserweiterung dienen könnte. Die Stichstraße, betonte der Planer, werde nicht nur verkehrsberuhigt und mit geringer Straßenbreite ausgebaut, sondern auch noch mit einem Poller versehen, damit dort kein Durchgangsverkehr herrsche.

Vorbehalte hat auch die Hansestadt Uelzen gegen das neue Baugebiet in Ebstorf. Aus Sicht der Uelzener sei es „nicht nachzuvollziehen (...), woraus sich der starke Mehrbedarf an Bauplätzen, der noch über mehrere Jahre andauern soll, ergibt und in wieweit er aus der Auslastung der vorhandenen Infrastruktur im Klosterflecken Ebstorf herzuleiten ist“. Mehr noch: Die Hansestadt regt sogar an, dass zugunsten des geplanten Neubaugebiets an anderer Stelle auf ein weiteres verzichtet werden möge.

„Uelzen“, sagte Henrik Böhme, „hat das Bild, dass wir alle schrumpfen. Aber die Tendenz ist anders.“ Der Stadtplaner hielt dem Einwand der Hansestädter daher auch Folgendes entgegen: „Falls die Hansestadt Uelzen begründete Bedenken haben sollte, dass die Wohnbauentwicklung des Grundzentrums Ebstorf zu Lasten des Mittelzentrums Uelzen gehen könnte, sollte sie diese Bedenken argumentativ genauer ausführen.“ Der Bauausschuss hat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan bereits einstimmig empfohlen.

Von Ines Bräutigam

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