Kritik an Ungleichbehandlung

Appell der Ebstorfer Wirtschaftsgemeinschaft: „Kaufen Sie bitte weiterhin lokal“

Mit Plakaten in den Schaufenstern appelliert die Ebstorfer Wirtschaftsgemeinschaft an die Kunden, nicht im Internet zu bestellen. 
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Mit Plakaten in den Schaufenstern appelliert die Ebstorfer Wirtschaftsgemeinschaft an die Kunden, nicht im Internet zu bestellen.

Ebstorf – „Aufgrund der gegebenen Umstände. . . “ „. . . bis auf Weiteres unser Geschäft schließen. “ „Wir danken für euer Verständnis. “ Die Texte auf den Schildern an Türen und in Schaufenstern Ebstorfer Geschäfte gleichen sich.

Wegen der Corona-Pandemie mussten die Geschäfte im Ortskern des Klosterfleckens schließen. Die Ebstorfer Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) richtet in Zeiten von Corona einen Appell an ihre Kunden – und kritisiert eine gewisse Ungleichbehandlung durch das Ordnungsamt der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf.

„Noch ist die Stimmung ganz gut“, sagt EWG-Sprecher Dr. Moritz Ries. Aber die Unsicherheit der Geschäftsleute sei groß. „Weil wir alle nicht wissen, wie lange das so geht, wie lange wir das durchhalten können.“ Manche Betriebe hätten noch Reserven für vier Monate, andere seien bei einem Andauern der Schließung nur noch drei Wochen überlebensfähig.

Die meisten Gastronomen nutzen die Möglichkeit des Außer-Haus-Verkaufs. Dieses Angebot werde ganz gut genutzt, berichtet Ries. „Aber das ersetzt für die Betriebe nicht den Umsatz, denn die Getränke fallen ja nicht mehr an. Das ist Kochen auf Sparflamme.“

Auch andere Geschäftsinhaber waren kreativ. So hat ein Blumengeschäft einen Außer-Haus-Verkauf organisiert. Auch beim Bezahlen habe es keinen direkten Kontakt gegeben. Die Kunden hätten das Geld in einen Topf gelegt. Umso mehr beklagt Ries, dass diese Lösung vom Ordnungsamt unterbunden worden sei. „Wenn man sich anguckt, dass beim Edeka Blumen verkauft werden und die Läden dürfen das nicht, dann ist das eine gewisse Wettbewerbsverzerrung“, kritisiert EWG-Sprecher Ries.

Gleichzeitig startet die EWG eine Plakataktion zugunsten der örtlichen Geschäfte. Das Problem: Die Schließung der Läden beschleunigt den Trend zum Online-Handel. Auf den Plakaten bitten die Händler ihre Kunden, trotz der Schließung nicht online einzukaufen, sondern bis zur Aufhebung der Schließung abzuwarten. „Kaufen Sie bitte weiterhin lokal und lassen Sie uns diese schwierige Zeit gemeinsam durchstehen“, heißt es auf dem Plakat.

Vielleicht werde den Kunden durch die Corona-Maßnahmen bewusst, wie der Ort ohne seine Geschäfte aussähe, meint Renate Funke, Inhaberin des gleichnamigen Modehauses, die die Idee zu der Plakataktion hatte. „Da können wir nur auf unsere Kunden hoffen.“

Die Ebstorfer Wirtschaftsgemeinschaft prüft nun, ob sie an der Bevenser Aktion „Rette deinen Lieblingsladen“ teilnehmen kann. Die Idee: Die Kunden kaufen zur Unterstützung des lokalen Handels Gutscheine, die sie nach Ende der Schließung einlösen können.

VON GERHARD STERNITZKE

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