Vertrags-Krimi: Ralf Rosenberg bekommt seit einem Jahr Rechnungen – trotz Stornierung

„Als Dank einen SCHUFA-Eintrag“

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Hanstedt I. Unzählige Mahnungen, Briefe von Inkasso-Unternehmen und zu guter Letzt ein Eintrag bei der SCHUFA – diese bittere Folge brachte Ralf Rosenberg nur eine Unterschrift ein.

Mobile Surffreude wollte sich der Hanstedter vor einem Jahr mit einem Internet-Stick gönnen. Nachdem das elektronische Gerät jedoch nicht die gewünschte Leistung bringt, will der Mann wenige Tage nach dem Kauf seinen Vertrag kündigen – und zwar in dem Elektronikfachmarkt, in dem er den Stick auch gekauft hatte. „Ich hatte zuhause keinen Empfang, unterwegs gerade einmal in Munster und auf dem Rewe-Parkplatz bei Westerweyhe“, erklärt der Hanstedter. Er unterschreibt beim Fachhändler eine Stornierung, der Mitarbeiter sagt zu, dieses Schreiben an den Mobilfunkanbieter Vodafone weiterzugeben. „Die haben mir gesagt, die Sache hat sich damit erledigt“, sagt Rosenberg. Doch der Albtraum fängt für den 41-Jährigen gerade erst an. Denn bei Vodafone sei die Stornierung nie angekommen, wie man Rosenberg mitteilt. Es folgen also weitere Rechnungen und später dann auch Mahnungen. Sechsmal wird der Hanstedter bei dem Elektro-Fachhandel vorstellig, bei dem er den Online-Stick gekauft hatte. Zudem ruft er bei dem Mobilfunkanbieter direkt an – landet jedoch nur in der Warteschleife. „Ich habe die Lauferei und die Kosten – und als Dank einen SCHUFA-Eintrag“, macht er seinem Ärger Luft. Denn trotz seiner Hinweise und obwohl eingeschaltete Inkasso-Unternehmen ihm versichern, die Stornierung an den Mobilfunkanbieter weiterzugeben, kommen weiterhin Mahnungen bis hin zum SCHUFA-Eintrag. Rosenberg: „Aus 68 Euro sind inzwischen 1276 Euro geworden. Ich weiß mir einfach nicht mehr zu helfen.“ Fälle wie diese hören die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale öfter. In vielen Fällen kommt es auf das „Kleingedruckte“ an. „Grundsätzlich bleibt erst einmal zu klären, ob die Kunden die Verträge überhaupt kündigen können“, erklärt Christel Lohrey von der Verbraucherzentrale Oldenburg. „Ein abgeschlossener Vertrag ist zunächst einmal von beiden Seiten zu erfüllen. Eine vorzeitige Vertragsauflösung geht nur mit der Zustimmung der anderen Seite.“ Wobei zu klären ist, ob der jeweilige Elektrofachmarkt – in dem Fall, dass man den Vertrag nicht direkt mit dem Anbieter des Mobilfunks abschließt – berechtigt ist, Verträge zu stornieren oder nicht. In jedem Fall rät Lohrey, Konflikte nicht auszusitzen. „Es ist wichtig, sofort zu reagieren – erst recht, wenn ein Inkasso-Unternehmen schon eingeschaltet ist. Wenn man den Kopf in den Sand steckt, entstehen weitere Kosten.“ Unberechtigte Forderungen können im besten Fall mit Kopien von Vertragskündigungen und dessen Bestätigung durch den Vertragspartner aus der Welt geschaffen werden.

Wenn der Vertragspartner eine Leistung schuldig bleibt – ein Gerät also nicht funktioniert oder ein Mobilfunknetz nicht wie zugesagt genutzt werden kann – muss er die Gelegenheit bekommen, nachzubessern, Lohrey: „Der Kunde sollte dann schriftlich die Erfüllung der Leistung fordern und eine Frist für die Nachbesserung setzen. Wenn der Schaden dann behoben ist, hat der Kunde das Recht auf anteilige Kostenerstattung.“

Im Fall Rosenberg prüft der Mobilfunkanbieter derzeit den Verfahrenshergang.

Von Wiebke Brütt

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