Was tut das Ministerium?

Äbtissin vor dem Arbeitsgericht – Richter erklären sich für nicht zuständig

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Äbtissin Erika Krüger beim Neujahrsempfang des Klosters Ebstorf im Januar.

Ebstorf/Lüneburg – Erneut beschäftigte der Kloster-Krimi um die Ebstorfer Äbtissin Erika Krüger jetzt ein Gericht.

Nach ihrer spektakulären Absetzung durch das Landesministerium für Wissenschaft und Kultur im September hatte die streitbare 73-Jährige auch am Lüneburger Arbeitsgericht gegen die Klosterkammer Hannover geklagt, die ihre Entfernung aus der vielhundertjährigen Einrichtung beantragt hatte.

In einer Güteverhandlung hatten sich die Parteien nicht auf einen Kompromiss einigen können. Nun, nachdem das Verwaltungsgericht Lüneburg bereits die Amtsenthebung für null und nichtig erklärt hatte, gab es einen zweiten Termin. Es kam jedoch weder zu einer Hauptverhandlung noch zu einer Entscheidung in der Sache. Stattdessen erklärte das Gericht sich für nicht zuständig.

„Das Arbeitsgericht ist immer nur für Arbeitsverhältnisse zuständig“, erklärt Direktorin Charlotte Groschupf auf AZ-Nachfrage. „Das Kloster ist aber eine Körperschaft öffentlichen Rechts, die durch die Äbtissin vertreten wird. Damit nimmt sie – vergleichbar mit einem Geschäftsführer – Arbeitgeberfunktionen wahr.“

Aufgrund des Streitwerts wurde die Äbtissin an das Landgericht Lüneburg verwiesen. Allerdings hat sich mit dem vorangegangenen Urteil des Verwaltungsgerichts auch die Grundlage der Klage erledigt. Die Richter hatten im Dezember angeordnet, dass die Äbtissin sofort wieder in ihr Amt eingesetzt werden musste. Sowohl Ministerium als auch Klosterkammer und Erika Krüger hatten damals weitere Stellungnahmen abgelehnt.

Die Richter hatten moniert, das Ministerium hätte die Betroffene vor einer Amtsenthebung anhören müssen. Dies sei nicht geschehen. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass im Ministerium ein neues Amtsenthebungsverfahren gegen die Äbtissin angeschoben wird, der vorgeworfen wird, die Mitbestimmungsrechte der Konventualinnen zu übergehen. Inzwischen lebt nur noch eine der Klosterdamen hinter den Backsteinmauern. Anträge neuer Bewerberinnen, die Erika Krüger aufnehmen wollte, wurden von der Klosterkammer blockiert.

VON GERHARD STERNITZKE

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