Abenteuer Kinderkrippe

Da ist Leben in der Bude: Im breiten Flur wird auch mal ein Bobbycar-Rennen veranstaltet – natürlich immer unter den wachen Blicken einer der Erzieherinnen.

Ebstorf - Von Wiebke Brütt . Schritt für Schritt, Minute für Minute entdeckt Franca ihre Welt neu. Zuerst tappst sie über eine weiche Krabbelwiese, dann weckt der aufgeblasene Gummiball – der im übrigen fast genauso groß ist wie Franca – das Interesse des Mädchens. Franca ist 15 Monate alt und gemeinsam mit dreizehn anderen Kindern spielt sie gerade Pionier. Denn sie und ihre Mitstreiter sind die ersten unter Dreijährigen, die die neu gebaute DRK-Krippe in Ebstorf erkunden.

Bällebad, Hüpfpferde, Koordinationsspiele und ein breiter Flur mit allerhand Platz für Bobbycarrennen und Spaziergänge mit dem Puppenwagen – auf 200 Quadratmetern lässt die Krippe an der Fischerstraße Kinderherzen höher schlagen. Vergangenen Dienstag öffnete die Kindertageseinrichtung ihre Türen, inzwischen tollen die ersten neun Jungen und fünf Mädchen durch die Gänge. „Die Kinder meistern das echt gut. Der erste Kleine hat schon am Dienstag hier Mittagsschlaf gemacht. Das ist ein richtiger Vertrauensbeweis für uns“, sagt Krippenleiterin Nicole Meiger.

Zwischen Frühstück, Mittag-essen und Schlafzeiten bleibt genug Raum zum kennenlernen und austesten: „Wir haben einen Allzweckraum, der durch mobile Wände gleichzeitig für Entspannungsphasen, Musikeinheiten und als Spielzimmer genutzt werden kann“, erklärt die Krippenleiterin, „es ist schon toll zu sehen, wie nun endlich Leben in die Krippe kommt. Es gab im Vorfeld soviel zu tun. Zwischenzeitlich dachte ich, das wird alles nichts mehr.“

Bisher bleiben die Eltern der meisten „Racker“ zumindest stundenweise noch in der Krippe, wie es das Berliner Modell vorsieht. Die Kinder ziehen gestaffelt ein. Doch wer denkt, diese „Eingewöhnungsphase“ sei nur für die Kleinen wichtig, irrt sich. Zozana Valickova gibt mit einem Lächeln auf den Lippen zu: „Es ist ja nicht nur so, dass meine Tochter mich braucht. Ich brauche sie auch. Es ist schon ein komisches Gefühl von ihr getrennt zu sein.“

In einer Art Teeküche sitzen die Eltern. Tauschen Erfahrungen aus, während sich ihre Lütten an die Erzieherinnen und ihr neues Umfeld gewöhnen. Immer auf dem Sprung vielleicht doch mal zu linsen, was die Kleinen gerade machen. Neugierig, gespannt – fast als wäre es ihre neue Wohnung, neue Arbeitsstelle, eben ihr Abenteuer. Trotz Trennungsschmerz und Aufregung – dass ihre Kinder die Krippe besuchen sollen, war für diese Eltern keine Frage. „Ab einem bestimmten Alter brauchen sie einfach Gleichaltrige zum spielen. Das ist ja auch wichtig für die Entwicklung“, sagt Tanja Gärtner.

Zurzeit sind nur 23 der 45 Krippenplätze belegt, obwohl im Sommer bei der Verwaltung schon fast 60 Familien Interesse gezeigt hatten. „Die Kosten und die Betreuungszeiten könnten manchen nicht ganz gefallen“, merkte Meiger an. Zumindest zum Teil könnten die schwindenden Anmeldezahlen auch der verzögerten Öffnung verschuldet sein – immerhin startete der Krippenbetrieb zwei Monate verspätet. (AZ berichtete) „Ich denke schon, dass das ein Problem für manche Eltern war. Ich weiß von einigen, die nun auf Tagesmütter ausgewichen sind, weil sie auf eine Kinderbetreuung angewiesen sind. Nicht jeder Arbeitgeber hat Verständnis für so eine unvorhersehbare Situation“, schätzt Zozana Valickova ein.

Die Eltern zweier Kinder können berufsbedingt ihre Knirpse nicht während der Eingewöhnungsphase in die Krippe begleiten. „Das ist absolut kein Hindernis. Darum sollte es auch kein Grund sein, das Kind nicht in der Krippe anzumelden. Wir finden da immer einen Weg“, ermuntert Meiger. Anmeldungen sind weiterhin möglich. Der Familienaussschuss des Fleckens hat auf seiner jüngsten Sitzung sogar empfohlen, die Krippe auch für Kinder zu öffnen, die außerhalb von Ebstorf wohnen (AZ berichtete). Weitere Informationen zur Anmeldung gibt es beim DRK-Kindergarten unter Telefon (0 58 22) 36 92 oder direkt in der Krippe an der Fischerstraße 2. Meiger: „Man kann uns immer gerne besuchen kommen. Hier stört niemand.“

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