Guido Wrage startet eine neue Aktion im Ebstorfer Mehrgenerationenhaus

1000 Kilo Schuhe für einen Billardtisch

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„Pädagogik nebenbei“ betreibt Guido Wrage, Leiter des Ebstorfer Mehrgenerationenhauses, am Billardtisch. Doch der ist verschlissen. 1000 Kilo Schuhe braucht der Sozialpädagoge, um ein professionelles Modell anzuschaffen.

Ebstorf – Sie sind schwarz, weiß, braun oder blau. Mit Schnürsenkeln oder Klettverschluss. Auch kleine Exemplare für Kinderfüße und knallgelbe Exemplare liegen in dem Karton, der im engen Eingang zum Ebstorfer Mehrgenerationenhaus steht.

„Ich brauche eine Tonne Schuhe“, sagt Leiter Guido Wrage. Aber eigentlich geht es ihm ums Billardspielen. Für 1000 Kilo Schuhwerk bekommt er nämlich von einer Hilfsorganisation 500 Euro. So viel braucht er nämlich, um einen Ersatz für den ziemlich verschlissenen Billardtisch zu beschaffen.

Mit Billard kennt sich Wrage aus. Und er spielt auch gerne mit den Jugendlichen, die ins Obergeschoss der alten Amtskornscheune kommen. „Ich erzähle ihnen dann was von Ein- und Ausfallswinkel“, berichtet der Sozialpädagoge. „Pädagogik nebenbei“, nennt er das. In dem Winkel, in dem die weiße Kugel auf die Bande trifft, prallt sie bekanntlich wieder ab. Das können die jungen Besucher unmittelbar im Spiel anwenden, und so bleibt auch der Lehrstoff aus der Physik im Kopf hängen.

Leider ist diese Billard-Pädagogik ziemlich wackelig, denn der Tisch schwankt bedenklich, wenn man sich auf die Bande stützt. Und die Bälle fallen häufig durch die lose hängenden Fangkörbe unter der Platte durch. „Und die Decke ist auch verschlissen“, bedauert Wrage. Seine Wahl ist deshalb auf einen – natürlich gebrauchten – professionellen Billardtisch gefallen.

50 Kilo Schuhe hat der 51-Jährige schon abgeschickt – macht etwa 28 Euro. Es ist also ein langer Weg, eine Jahresaktion, meint Wrage. Aber saubere und gut erhaltene Schuhe haben viele herumstehen. Auch Kinder- und Kleinkinder-Schuhwerk wird gebraucht. Die Schuhe sollten an den Schnürsenkeln zusammengebunden sein. Die Treter werden vom katholischen Kolping-Sozialwerk nach Afrika verschifft, um dort Bedürftige zu unterstützen. Für die Sammler gibt es eine Belohnung.

Auch im Ebstorfer Familienausschuss hat Wrage sein Projekt vorgestellt. Er konnte den Kommunalpolitikern aber auch eine positive Bilanz vorlegen. Nach anfänglicher Kritik an zu geringen Besucherzahlen wird das Mehrgenerationenhaus jetzt nämlich gut genutzt. 15 bis 20 Jugendliche kommen täglich. Im Sommerhalbjahr trifft man sich auf den Palettenbänken am Domänenhaus.

„Wir sind auf dem Dorf. Manche Dinge brauchen etwas länger“, sagt Wrage. Es sei ein längerer Prozess, um Jugendliche für die Einrichtung zu begeistern. Dabei geholfen hat auch ein Fotoprojekt. 50 Einwegkameras hat er im vorigen Jahr verteilt, auf denen die Jugendliche und junge Erwachsene ihre Lieblingsorte und die, an denen sie sich nicht so gern aufhalten, ablichteten.

Leben herrscht hier auch sonst, denn nach der Schule kommen 20 Schüler zur Hausaufgaben- und Mittagsbetreuung. Und das Kursprogramm am Vormittag reicht von Englisch bis Kochen. In diesem Jahr sollen die Räume renoviert werden. Dann soll es auch einen neuen Aufzug geben.

VON GERHARD STERNITZKE

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