Duschen ohne Nässe

Dies ist eine Kolumne für Insider in Sachen Politik, genauer: Landratskandidaten. Noch genauer: die Kandidaturen dafür. Nach der letzten Kolumne, in der ich meine Neugier auf neue Gemeindeformen, neue Landkreise, neue Landräte beschrieb, rief mich jemand mir Wichtiges und auch überhaupt Wichtiges an und fragte mich Wichtiges:

Ob ich einen bestimmten Kandidaten für die Landratswahl öffentlich unterstützen helfen würde. Von „Farbe bekennen“ war die Rede. Einen Kandidaten unterstützen? Wo ich mich grundsätzlich aus einzelnem Parteiengezänk und -gezerre schon deshalb heraushalte, um alle Themen zwischen Gott und der Welt zu thematisieren? Wie kann man duschen, ohne nass zu werden? Eben. In Sachen „nächster Landrat“ gibt’s bei mir Vorlieben für die Zukunftsversprechen des Kandidaten der einen Partei. Und ich habe Vorlieben für Zukunftsversprechen auch des Kandidaten einer anderen Partei. Mein gegenwärtiges Schicksal ist, dass ich auch mit Teilaussagen einer dritten in Frage kommenden Partei liebäugele – wie also Farbe bekennen? Duschen ohne Nässe? Nun höre ich, dass die Parteien ihre Kandidaten nominieren, aber ein Kandidat betont, dass er zwar in einer Partei sei, aber diesmal parteiübergreifend mit einer Bürgerunterstützung Landrat werden und sein wolle. Wie? Da bittet jemand um parteiübergreifende Unterstützung, also die Unterstützung von Unabhängigen, damit er als quasi-unabhängiger Kandidat gehört wird in seinen Aussagen – ohne Parteibuch-Enge, aber mit Partei im Hintergrund? Versucht da noch einer das Duschen ohne Nässe? Oder ganz was anderes als Duschen? Warum eigentlich nicht? Sicher ist: Möglichst viele aussichtsreiche Kandidaten würden die Wahlaussagen farbiger und breiter machen. Das bisher im sattsam bekannten alten Flussbett bekannter Wahlkämpfe fließende Wasser würde um konstruktiv-überraschende Mäander mit neuen Strömungsrichtungen erweitert. Die Aussagen von Personen entscheiden. Nicht die Partei. Schließlich wurde unser jetziger Landrat auch Landrat – ganz ohne Parteibuch. Also geh‘ ich duschen mit Handtuch in Sachen Kandidatur-Unterstützung ohne ein jetziges Wählerversprechen. Erst mal sehen, wie die Kandidaten die Gewässer lenken wollen. In jedem Fall wählen wir einen letzten Landrat unseres Ländchens, einen, der den bisherigen Landkreis derart mit verändern helfen soll, dass das Profil unserer Region nicht Heide-versandet. Es könnte gestärkt daraus hervorgehen mit den Ressourcen, mit denen wir schon die Amtsvögte von Bodenteich überstanden haben, Napoleons Truppendurchmärsche und die Preußen überlebten und die Landräte von Oldenstadt und Uelzen erlebten. Wir, das Volk dieses kleinen Landes um Uelzen herum, könnten einen gut brauchen, der unserem Ländchen einen guten letzten Rat gibt. Denn wir werden in jedem Fall mal wieder neu geboren werden. Ob wir uns nun Lüneburg und noch ein paar andere(n) einverleiben oder filetieren (lassen). Mal sehen, wie nass wir nach der Dusche sind. Und wie sauber. Hans-Helmut Decker-Voigt ist per Mail erreichbar unter Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de.

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