Jugend leidet unter Einschränkungen

Bevenser Juz-Leiter Niels Tümmler über die Folgen der Corona-Auflagen

Niels Tümmler, Leiter des Juz
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Niels Tümmler, Leiter des Bevenser Jugendzentrums, erlebt mit, wie die Jugend unter den Corona-Einschränkungen leidet.
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
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Seit über einem Jahr bestimmt die Corona-Pandemie den Alltag der Menschen. Für Kinder und Jugendliche wiegen die Kontaktbeschränkungen und die Isolation im monatelangen Homeschooling besonders hart. Einer, der besonders dicht dran ist an den Sorgen und Nöten des Nachwuchses, ist Niels Tümmler, Leiter des Bevenser Jugendzentrums (Juz).

Es ist ein besonderes Leid für die jungen Menschen. Man klaut ihnen ein Jahr, in dem sie nichts erleben dürfen.

Niels Tümmler, Leiter des Jugendzentrums

Bad Bevensen – „Stell dir vor, wie es war, als wir 17 waren“, sagt Tümmler. „Es ist ein besonderes Leid für die jungen Menschen. Man klaut ihnen ein Jahr, in dem sie nichts erleben dürfen.“ Die Kinder und Jugendlichen seien auf die sozialen Kontakte in besonderem Maß angewiesen. Entsprechend groß die Erleichterung, als die Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) wieder in den Wechselunterricht gingen. „Einige haben gesagt: Ich bin so froh, meine Freunde wiederzusehen“, berichtet Tümmler.

Der Landesvorsitzende des Kinderschutzbunds Johannes Schmidt hatte die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen mit Einzelhaft verglichen. „Einsamkeit, Zukunftsängsten, Antriebsarmut, Aggression und Gewalt sind sie schutzlos ausgeliefert“, hatte er nach einer Umfrage bei den Orts- und Kreisverbänden erklärt. „Ob es auch zu Depressionen kommt, kann ich nicht beurteilen“, sagt Juz-Leiter Tümmler. In Einzelgesprächen gehe es meist um Alltagsprobleme. Die meisten würden aber durch Familie und Freundeskreis aufgefangen. Aber alle seien frustriert über die Verbote, die massiv eingeschränkten Kontakte mit anderen. Viele könnten sie nicht mehr nachvollziehen.

Frust und angestaute Aggressionen entladen sich manchmal auch in Vandalismus. So meldete der DRK-Kindergarten Zerstörungen (AZ berichtete). Beim Juz wurde ein Betonhocker zertrümmert, und auf dem benachbarten Sportplatz wurden Flaschen zerschlagen, wie Tümmler berichtet.

Frust beim Homeschooling

Für schlechte Laune sorge auch der Alltag des Homeschoolings, obwohl der Umgang mit den digitalen Möglichkeiten kein Problem für den Nachwuchs darstelle. „Die jungen Leute sind gefrustet“, erzählt der Juz-Leiter. „Online funktioniert häufig nicht, weil die Verbindungen abreißen. Oder sie müssen Zettelchen durchs Schulfenster stecken.“

Auch das Jugendzentrum selbst ist von den Beschränkungen betroffen. Maske und Handdesinfektion sind Pflicht. Maximal acht Jugendliche gleichzeitig dürfen rein, eine Beschränkung, die nicht alle akzeptieren. Tümmler erklärt geduldig die Regeln, wenn eine größere Gruppe kommt – aber durch den Hintereingang kommen die Jugendlichen wieder. „Ich kann nur sagen, das ist nicht regelkonform. Achtet darauf“, so Tümmler. Zum Teil werde auch in der Öffentlichkeit ausgetestet, wie weit man gehen kann. „Aber die Mehrheit hält sich an die Regeln.“

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