Die A39 und der Denksport

Das will die Planungsbehörde: Die Anschlussstelle soll in Hafennähe an der B244 entstehen. Eine zweite Abfahrt bei Eutzen wird diskutiert.Fotos: Boden

Von Holger Boden Wittingen. Die Stadt Wittingen wünscht sich zum Bau der A39 eine Südumgehung – doch derzeit sieht es ganz danach aus, als müssten die örtlichen Politiker dafür bei den höheren Stellen noch jede Menge Überzeugungsarbeit leisten. Angefangen wurde damit gestern bei einem Besuch des FDP-Landtagsabgeordneten Björn Försterling. Der sagte zu, das Thema mit nach Hannover zu nehmen. Versprechen konnte er auch nichts.

Das verwundert nicht: Schließlich liegt der Stadtverwaltung ein Schreiben aus dem FDP-geführten niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium vor, das den Wittinger Absichten im Prinzip eine Abfuhr erteilt: Eher werde es zusätzlich zur A39-Anschlussstelle am Kanal (B244) eine weitere Abfahrt an der L286 zwischen Eutzen und Wittingen geben, als dass die B244-Abfahrt in südöstlicher Richtung verlegt wird.

Letzteres wäre der Wunsch im Wittinger Rathaus: Eine noch zu bauende, etwa vier Kilometer lange Südumgehung vom Hafen bis zur L282 in Höhe Rade soll südlich von Glüsingen an die Autobahn angebunden werden. Das ist, wie Stadtbürgermeister Karl Ridder gestern sagte, auch nach den ersten beiden Sitzungen des internen A39-Arbeitskreises weiterhin die Haltung der Stadt.

Hinter dem Angebot der zwei Anschlussstellen steckt offenbar die Absicht, dass der dazwischenliegende Autobahnabschnitt gleichzeitig als eine Art Teil-Südumgehung dient. Belastbare Schätzungen liegen nicht vor oder werden zumindest nicht veröffentlicht, doch scheint klar, dass hier vor allem die Kosten eine Rolle spielen: Eine komplette Südumgehung (samt Brücken und Anschlussstellen an die örtlichen Straßen) dürfte teurer sein als der Bau einer weiteren Abfahrt. Auf die Frage nach einem Kostenvergleich meinte gestern der Chef der Wolfenbütteler Straßenbaubehörde, Bernd Mühlnickel: "Das sind noch interne Überlegungen, die wir nicht gern öffentlich diskutieren."

Wie Ridder und sein Bauamtsleiter Albert Soltau betonte gestern auch der Verkehrsausschussvorsitzende Friedrich Lührs (FWG), dass man die Südumgehung als unerlässlich betrachte, wenn die A39 realisiert wird. Sorgen mache hier vor allem der Verkehr von der Autobahn durch die Innenstadt. Lührs: "Wenn dann auch noch die Regio-Stadtbahn rollt, dann ist die Schranke in der Bahnhofstraße noch öfter zu – dann kriegen wir ein Problem." Ein zeitgleicher Ausbau der Umgehung und der A39 sei daher "sinnvoll", befand Soltau.

Davon will Mühlnickel allerdings nichts wissen: "Wir planen eine A39 und keine Ortsumgehung – diese Denksportaufgabe gibt es derzeit nicht." Aus seiner Sicht sei gesichert, dass es eine Abfahrt an der heutigen B244 in Hafennähe geben werde. Alles, was darüber hinausgeht, müsse man "dem Finanzier" – also dem Bund – erst erklären.

Auch bezüglich einer Autobahnraststätte im Wittinger Raum gibt es nach wie vor unterschiedliche Vorstellungen. Die Planer favorisieren einen Suchraum im Bereich zwischen Eutzen und Stackmannsmühle. Allerdings sei hier "die Messe noch nicht gesungen", wie Mühlnickel sagt. Durch eine zweite Anschlussstelle bei Eutzen könnte die Abstände zwischen den Ausfahrten zu gering werden, so dass man anderswo planen müsste.

Die Stadt will zwar die Variante mit der zweiten Ausfahrt nicht, durchaus aber einen anderen Rastplatz-Standort. Aus dem Rathaus kommt der Vorschlag, die voraussichtlich zehn Hektar große Anlage südlich von Knesebeck anzusiedeln. Der Haken: Für die dort gelegenen Staatsforst-Flächen müsste mehr Ausgleichsfläche geschaffen werden als für Ackerflächen.

Erschienen: 17.09.2009: IK / 217 / Seite:3

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