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Debatte um Atommüll-Endlager: Datenbasis für den Landkreis Uelzen dünn

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Von: Lars Lohmann

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Steinsalz kommt auch im Landkreis Uelzen vor und ist ein mögliches Gestein, das für ein atomares Endlager in Frage kommen könnte. Noch aber gibt es sehr viele Unwägbarkeiten.
Steinsalz kommt auch im Landkreis Uelzen vor und ist ein mögliches Gestein, das für ein atomares Endlager in Frage kommen könnte. Noch aber gibt es sehr viele Unwägbarkeiten. © dpa

Kommen Flächen im Landkreis für ein Atommüll-Endlager in Frage? Phase für Phase reduziert sich die Zahl der möglichen Standorte – bis zur Entscheidung, die im Jahr 2031 fallen soll. Es kann aber durchaus sein, dass der Landkreis schon sehr bald „raus“ ist.

Uelzen/Landkreis – Die Aufregung vor knapp zweieinhalb Jahren war groß, als die Bundesgesellschaft zur Endlagersuche (BGE) in einem ersten Schritt Teilgebiete für eine mögliche Endlagerung radioaktiver Abfälle definierte. Denn auch im Landkreis Uelzen sind große Teile der Flächen potenziell für eine Endlagerung geeignet.

Die Landkreise Uelzen, Harburg und Lüneburg schlossen sich daraufhin zusammen und gaben ein geologisches Gutachten beim Ingenieurbüro Deep KBB in Auftrag. „Das macht Sinn, weil die Teilgebiete teilweise in die anderen Landkreise hineinreichen“, erklärte Ulf Frohloff vom Amt für Bauordnung und Kreisplanung im Ausschuss für Planung, Hoch- und Straßenbau. Dort wurden jetzt erste Zwischenergebnisse vorgestellt.

Vier Salzstöcke im Landkreis Uelzen

Im Landkreis Uelzen geht es laut Therese Mann um Tongestein und Steinsalz. Tongesteinsschichten kommen fast im ganzen Landkreis vor. Bei den Steinsalzvorkommen handelt es sich um die vier Salzstöcke Wettenbostel-Ebstorf, Thondorf-Rosche, Bohndorf-Horndorf und Niendorf II-Wieren-Bodenteich.

Am letztgenannten Salzstock erklärte Therese Mann beispielhaft den Aufbau eines Salzstocks und die Voraussetzungen, die erfüllt werden müssten, damit dieser überhaupt als Endlager in Betracht komme. Denn: „Das BGE hat zunächst nur grob die Flächen ausgewiesen, die theoretisch geeignet sind. Es gibt noch keine genaueren Untersuchungen.“

Beschaffenheit und Zusammensetzung der Schichten offen

Viele der Daten basieren auf Literatur und vereinzelten Bohrungen – etwa bei der Suche nach Öl- oder Gasvorkommen, die durch die Geologische Landesanstalt frei zugänglich sind. Insgesamt seien die Annahmen der BGE für die ausgewiesenen Flächen im Landkreis Uelzen aber korrekt. Es bleibe aber eine Unsicherheit, was die Beschaffenheit und Zusammensetzung der Schichten angehe.

„Einen Salzstock kann man sich wie einen Pilzkopf vorstellen“, erklärte Therese Mann. Oben auf diesem Kopf lagere sich häufig Gips ab. Zudem könnten neben Steinsalz auch Kalisalze im Stock vorkommen. Diese seien leicht wasserlöslich und daher eine Gefahr für die Stabilität der Gesteinstruktur.

Erkundungsbohrungen und seismische Messungen

Wie die Zusammensetzung der in Frage kommenden Salzstöcke im Landkreis Uelzen sei, ließe sich jetzt aber noch nicht sagen. „Dafür reichen die Daten aus den bekannten Bohrungen nicht aus“, sagt Therese Mann. Zu große Vorkommen von Kalisalzen seien ein Ausschlusskriterium.

Untersuchungen unter Tage sollen aber erst in Phase III der Endlagersuche gemacht werden. Zuvor erfolgt in Phase II eine Oberflächenerkundung durch Erkundungsbohrungen und seismische Messungen. Danach werden von der BGE wiederum Flächen vorgeschlagen, die unter Tage untersucht werden sollen. Die möglichen Standorte für ein Endlager werden also Phase für Phase reduziert – bis im Jahr 2031 ein Endlager vorgeschlagen werden soll.

Es kann also gut sein, dass die Flächen im Landkreis Uelzen schon nach Phase II nicht mehr in Frage kommen.

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