Debatte über Trasse

Ehra-Lessien. Die Autobahn wenige Meter von der Haustür entfernt, eine Abfahrt, möglicherweise sogar einen Autohof mit zig Lkw-Stellplätzen an der Bundesstraße… So manchem Einwohner der Gemeinde Ehra-Lessien schwillt bei derartigen Aussichten der Kamm. Das zeigte sich am Mittwochabend im Lessiener Schützenheim.

Im Nachgang einer Begehung (das IK berichtete) debattierte der Rat um Bürgermeisterin Jenny Reissig mit Einwohnern sowie Abgesandten des Landkreises Gifhorn sowie der Bundeswehr über den derzeitigen Verlauf der A39-Trasse auf dem Gemeindegebiet. Vertreter von Volkswagen, ebenfalls von der Gemeinde eingeladen, fehlten. Die Kommunalpolitiker und Zuhörer, unter ihnen Eckehard Niemann vom Dachverband der Bürgerinitiativen gegen die A39, gingen dabei mit Kreisbau- und Planungsamtschef Alexander Wollny sowie Joachim Bäter vom Kreisumweltamt hart ins Gericht. Grund: Als Träger öffentlicher Belange hatte der Kreis im Raumordnungsverfahren seine Bedenken vorgebracht, die bei den Planern letztlich auf offene Ohren stießen. Die das Doppeldorf zerschneidende Trasse, zunächst auf vorhandene Wege markiert, wurde im Bereich des Vogelmoores und des so genannten "Ehra-Teichs" abgeändert. Statt wie im ersten Entwurf vorhandene Wegen zu nutzen, verläuft sie nun durch die wertvollsten Ackerschläge der Gemarkung – Rückenwind für die Kritiker. "Der Landkreis ist nicht Baulastträger, sondern wie die Gemeinde Ehra-Lessien auch ein Träger öffentlicher Belange", stellte Wollny zu Beginn klar. Bäter nannte den "Ehra-Teich" eine wertvolle Biotopfläche und Kerngebiet eines Naturschutzgebietes. "Eine schwer überwindbare Hürde", so der Umweltexperte. Das Gleiche gelte für das Vogelmoor. "Um die Infrastruktur zu erhalten, wurde eine Verschwenkung erwirkt", so Bäter weiter. Dies entpuppte sich als Steilvorlage für die Anwesenden. "Was ist wichtiger –ein Vogel oder ein Mensch?", wollte ein erzürnter Anwohner wissen. Ein anderer Gast war sich sicher, dass mit dem Dazutun des Landkreises eine ganze Menge möglich wäre. Christa Honseler befürchtete gar, dass der Schwerlastverkehr in der Ortschaft zunehmen und die Bausubstanz der Kirche kaputtmachen könnte. Peter Albrecht, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde, machte gegenüber den Kreisvertretern darauf aufmerksam, dass die Autobahn im Bereich Ehra-Teich durch die Trassenverschiebung von einer Tal- in eine Höhenlage komme. Dadurch sei mit erheblich mehr Lärm zu rechnen. Vor genau dem fürchten sich auch Ratsherr Dirk Fricke und Rudolf Fricke-Kranz. Bäume, sonst natürlicher Schutz vor den vorbeirauschenden Fahrzeugen, müssten im Bereich Lessien gefällt werden. Gemeinsam mit Honseler überreichte Rudolf Fricke-Kranz Unterschriften gegen die derzeitige Trassierung. Wollny versuchte zu beruhigen. Noch sei nichts festgeklopft und parzellenscharf. "Gehen Sie in sich, prüfen noch einmal und wir besprechen uns dann noch einmal", appellierte Albrecht an den Landkreis. "Bis Juli diesen Jahres können sachliche Fehler richtiggestellt werden", so Niemann. Erschienen: 18.04.2008: IK / amz / Seite:6

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