Chance für neue Schulen auf dem Land

Von Marc Rath - Monatelang dauerte das Rätselraten, am Dienstag bestieg Kultusminister Bernd Althusmann nun seinen Bildungsgipfel. Der Berg kreißte – und gebar eine höchst spannenden neue Schulform: die Oberschule. Damit hat Althusmann nicht nur das eigene Lager, sondern auch seine Gegner verblüfft.

Die Oberschule könnte die Chance für den Erhalt zukunftsfähiger Schulstandorte im ländlichen Raum bedeuten. Aber nicht nur das, auch in größeren und kleinen Städten bietet sich jetzt die Chance für ein längeres gemeinsames Lernen – und zugleich die Möglichkeit, unter einem Schuldach von der Hauptschul- bis zur Hochschulreife einen Abschluss zu erwerben.

Mehr noch: Die Oberstufe ist ein wichtiger Schritt zur Entideologisierung der Bildungsdebatte. Peinlich genau sind die Christdemokraten darauf bedacht, dass der Name Gesamtschule nur ja nicht allzu groß in Mode kommt. Ihre Oberschule greift aber viele Aspekte der Gesamtschulidee auf. Das ist gut und richtig so – und wenn es ohne das vermeintliche Unwort eben geht, warum denn dann nicht. Schließlich geht es doch um die Zukunft unserer Kinder und nicht um politische Etiketten.

Vier oder fünf Eingangsklassen müssen Gesamtschulen für eine Gründung vorweisen können. Hohe Hürden mit großem Bremsfaktor, die bei der Oberschule nun fallen.

Beispiel Ebstorf: Der Antrag auf eine Kooperative Gesamtschule scheiterte vor zwei Jahren trotz eines respektablen Elterninteresses. Als Oberschule würden nunmehr drei Eingangsklassen reichen, um auch einen Gymnasialzweig einrichten zu können – wofür der Flecken schon seit Jahren kämpft.

Wer den ländlichen Raum erhalten will, muss das Leben dort stärken. Dazu gehört gerade auch das Lernen. An den Haupt- und Realschulen im Kreisgebiet arbeiten Lehrer mit viel Engagement, um über individuelle Lösungen Schüler zu fördern. Diese Pflänzchen gilt es jetzt weiter zu pflegen. Jede Schulform lebt nicht zuletzt von den Lehrern und wie sie Schule leben. Mit der dezentral angelegten Schulform Oberschule dürften derartige Initiativen eher gelingen als in einem neuen großen Schulzentrum einer Integrierten Gesamtschule in Uelzen.

Den Ball kann die Kommunalpolitik jetzt aufgreifen. Stadt und Landkreis müssen hier eng zusammenarbeiten – und das frei von Egoismen, die manch einen Kooperationsgedanken in der Vergangenheit mehr als strapaziert haben. Und das Land muss auch für eine personell angemessene Ausstattung der Oberschulen sorgen.

Die Schule sollte in der Samtgemeinde bleiben – wenn man etwas aus ihr machen kann.

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