„Bürger in Wut...

…sind gut!“, antwortete Gott der Herr auf die Frage von Gabriel dem Großen, dem Erzengel, wie man da unten auf der Erde mit den „Bürgern in Wut“ bzw. den „Wut-Bürgern“ bzw. den „Empörten Bürgern“ umgehen solle.

Schließlich zeichne sich eine neue Kultur innerhalb der deutschen Demokratie ab, die sich mit Wut und Empörung auch Namen gebe. Im Stadtstaat Bremen seien die Wutbürger schon ins Parlament eingezogen. Ob man da nicht aufpassen müsse? Zumal seit einiger Zeit auch in der sonst friedlichen Provinz Zeitungsleser und Internet-Autoren ihre Leserbriefe mit „Wut“ und „Empörung“ begründen. Z.B. in Uelzens Monopol-Blatt werde gegen Blitzer und Schultypen, gegen zwar nicht Gott direkt, aber zeitweise seine Kirche „wütend“ und „empört“ angeschrieben.

Aufpassen müsse man doch mindestens im Himmel mit diesen Anfängen, derer es zu wehren gelte. Wegen des Brandthemas hatte Gabriel der Große denn auch umgehend einen Audienz-Termin gekriegt, was so schnell nur bei Wichtigem geschah (vor dem natürlich immer erst Wichtigstes abgehandelt werden musste. Und vor dem Wichtigsten grundsätzliches Heiliges).

„Bremen liegt…“, Gabriel der Große verhaspelte sich bei der Frage Gottes, wo denn dieses wütende Parlament sei, weil ihn sein Zuarbeiter, Untererzengel Gabriel der Kleine nicht ausreichend gebrieft hatte. Gabriel der Kleine war zwar für ganz Norddeutschland verantwortlich, aber da sein irdisches Leben in der Ostheide stattgefunden hatte, hatte er einen verliebten Tunnelblick auf die Heide mit in die Ewigkeit genommen und interessierte sich nur dann für das weitere Umfeld seiner Heimat, wenn er musste. „Bremen?

Na, wahrscheinlich auch im Norden, neben diesem – Uelzen“, schob Gabriel der Große nach und entschuldigte sich, indem er Gott daran erinnerte, dass sein, des Erzengels Pressereferent, eben noch fixiert sei auf seine irdische Heimat. Und schlecht recherchiere. „Nun – lassen wir das“, sagte Gott sanft, der es nicht leiden konnte, wenn Chefs Untergebene belasten. „Bürger in Wut…“, wiederholte er dann, „sind gut. Wenn es genügend davon gegen die Anfänge jeweiliger Despoten und Tyrannen der Menschheitsgeschichte auf Erden gegeben hätte – dann hätte es weniger Despoten und Tyrannen und Kriminelle in Regierungen gegeben…“ Gott murmelte dann einige Namen.

„Gaddafi, Herodes, Hitler, Attila, Mao...na ja, usw.“ Er merkte selbst eine gewisse Unordnung darin und schloss mit „…eben der Teufel…“. Dann wandte er sich wieder Gabriel zu. „Also lass die Wüteriche nur machen – sollten es zu viel und zu mächtige werden, mache ich es zur Chefsache.“ Wie immer, dachte Gabriel der Große. Dann flog er eilig zu Gabriel dem Kleinen. Von wegen Bremen neben Uelzen… Hans-Helmut Decker-Voigt ist als Schriftsteller tätig und arbeitet musik- und psychotherapeutisch in Forschung und Praxis.

Von Hans-Helmut Decker-Voigt  

Er ist per E-Mail erreichbar unter Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de.

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