awb plant massive Kunden-Kampagne / Deponie-Anlage wird erweitert

Borg braucht Biomüll

Uelzen/Landkreis. Bioabfall ist für den Abfallwirtschaftsbetrieb awb des Landkreises Uelzen bares Geld. Denn aus den organischen Überresten, die in Garten und Küche anfallen, wird nach einem Gärungsprozess in sogenannten Fermentern Biogas.

Das wiederum treibt ein Blockheizkraftwerk an, welches Strom sowohl für den Eigenverbrauch als auch zur Einspeisung ins öffentliche Netz produziert. Eine solche Anlage mit derzeit vier Fermentern steht in der Mülldeponie Borg – allerdings stößt sie an ihre Kapazitätsgrenzen. Und so haben die Mitglieder des Betriebsausschusses Abfallwirtschaft am Mittwochabend einstimmig grünes Licht für eine 900 000-Euro-Investition gegeben, damit drei zusätzliche Fermenter angeschafft werden können. Und zwar so schnell wie möglich.

awb-Werksleiterin Renate König hatte zuvor den Nutzen dieser Investition erläutert, die mit der Aufhebung eines Sperrvermerks im Wirtschaftsplan für dieses Jahr ermöglicht wird. Die derzeit vier Fermenter können 11 000 Tonnen Bioabfall pro Jahr verarbeiten. Im vergangenen Jahr wurde diese Menge bereits um 1000 Tonnen überschritten, unter anderem weil auch Abfälle aus Nachbarkreisen angenommen werden – was wiederum nur im Winter möglich sei, weil die Anlage in der übrigen Zeit zu 100 Prozent ausgelastet sei. Und auch in diesem Jahr werde man wieder Abfall aus dem Kreis Lüneburg annehmen, kündigte Renate König an.

Eine Erweiterung der Anlage würde außerdem eine längere Verweildauer des Abfalls in den Fermentern ermöglichen. „Die derzeitige Anlage ist so konzipiert, dass die Verweilzeit in den Fermentern im Mittel 21 Tage beträgt“, so König. „In dieser Zeit kann das vorhandene Gaspotenzial der Bioabfälle nicht vollständig ausgenutzt werden.“ Was hauptsächlich daran liege, dass die im Kreis Uelzen eingesammelten Bioabfälle zum großen Teil aus Gartenabfällen bestehen, die im Vergleich zu Küchenabfällen ein deutlich geringeres Gaspotenzial hätten. Unterm Strich habe man deshalb weniger Erlöse aus dem Verkauf des Stroms erzielt als erwartet: Während eine Machbarkeitsstudie für die Anlage einst von 400 000 Euro Erlösen ausgegangen war, sind es tatsächlich nur 245 000 Euro.

Ein neues Abfallwirtschaftskonzept für den Landkreis Uelzen soll, wie berichtet, diese und andere Pferdefüße künftig aushebeln. Und ganz wichtig ist dabei der Gruppe von CDU, FDP und RRP, dass man damit langfristig eine starke Erhöhung der Abfallgebühren verhindert, wie Fraktionsvorsitzender Claus-Dieter Reese (CDU) betonte. „Wir stimmen der Erweiterung der Anlage zu“, sagte er, „aber es muss sichergestellt sein, dass dann auch mehr Biomüll dort verarbeitet wird. Das muss Hand in Hand gehen.“ Deshalb forderte Reese eine aggressive Bewerbung der Biotonne, damit die Bürger im Landkreis Uelzen ihre kompletten Küchenabfälle dort entsorgen. Mit Flyern, Aufklebern oder Mitarbeitern, die aufklärend und kontrollierend von Haus zu Haus gehen, könne dies erreicht werden, sammelten die Ausschussmitglieder spontan erste Ideen.

Renate König betonte, dass man dabei sei, für die Nutzung der Biotonne zu werben, vor allem bei Gastronomiebetrieben. Denn im Kreis Uelzen besteht der Inhalt der Restmülltonnen zu 23 Prozent aus Küchenabfällen, fünf Prozent Gartenabfällen und fünf Prozent Hygienepapieren. All dies wird aber dringend in der Biotonne benötigt, damit in der Anlage in Borg eine höhere Kostendeckung erzielt werden kann.

Die Entsorgung von Restmüll ist fast doppelt so teuer wie die von Biomüll, und jede Tonne mehr Küchenabfälle reduziert die Restabfallmenge. Ein Gutachten, das für das neue Abfallwirtschaftskonzept erstellt wurde, geht davon aus, dass bei einer optimalen Erfassung des Mülls mehr als 500 000 Euro jährlich eingespart werden könnten.

Von Ines Bräutigam

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