Behörden warnen

Bloß kein Leichtsinn! Baden im Elbe-Seitenkanal birgt große Gefahren

Junge Männer springen bei Sommerhitze von einer Brücke in Hannover in einen Kanal.
+
Wer wie diese jungen Männer bei Hannover von einer Brücke in einen Kanal springt, riskiert nicht nur seine Gesundheit, sondern muss auch mit einem Bußgeld von bis zu 200 Euro oder sogar einer Strafverfolgung rechnen.
  • Lars Becker
    VonLars Becker
    schließen

Wiederkehrend zu Beginn der Badesaison heben deshalb Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), aber auch Polizeibehörden oder Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter warnend den Zeigefinger. Sie geben Tipps zum richtigen Verhalten.

Uelzen/Landkreis – Zwei tödliche Badeunfälle im Bremer Achterdieksee, einer im Schweriner See. Drei Ertrunkene in der Ostsee, zwei in der Elbe. Und zuletzt am Montag ein tödlicher Badeunfall am Inselsee in Scharnebeck: Es sind Nachrichten wie diese aus den letzten Tagen, die schockieren. Kinder und Jugendliche, aber selbst Erwachsene, die als gute Schwimmer gelten, ertrinken. 2020 waren es 378 solcher Schicksale, 50 davon alleine in Niedersachsen.

Kanäle beispielsweise haben eine hohe Anziehungskraft auf alle, die gerne auf und am Wasser sind. Zumal: Verboten ist das Baden in Kanälen grundsätzlich nicht – außer in Schleusenbereichen samt Vorhäfen sowie im Bereich von Brücken, Liegestellen, Häfen, Pumpwerken und Wehren jeweils 100 Meter in beiden Richtungen.

So verlockend es ist: Auch der Elbe-Seitenkanal ist kein ruhiges Badegewässer. „Regelmäßig ereignen sich schwere, ja sogar tödliche Unfälle, da viele die Gefahren nicht erkennen“, heißt es vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Mittellandkanal/Elbe-Seitenkanal. Was aber macht das Schwimmen hier so gefährlich? Durch Schleusungsvorgänge, nahende oder vorbeifahrende Schiffe entstünden Strömungen, die selbst geübte Schwimmer nicht bewältigen könnten. Wer trotz strengen Verbotes von Brücken springe, riskiere, im Wasser liegende Treibhölzer, spitze Gegenstände oder leere Flaschen, die dicht unterhalb der Wasseroberfläche treiben, nicht zu erkennen.

Schwimmen im Kanal: Das ist alles verboten

Zudem ergebe sich bei Binnenschiffen, die ja vom Heck aus gesteuert werden, ein toter Winkel von mehreren hundert Metern. „Einen Schwimmer kann der Binnenschiffer nicht erkennen“, warnt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Generell gelte auf dem Wasser für alle Verkehrsteilnehmer die 0,5-Promille-Grenze.

Am Elbe-Seitenkanal im Landkreis Uelzen werden immer wieder Schwimmer gesehen – und auch der Polizei gemeldet. „Das ist aber natürlich nicht primär polizeiliches Thema, zumal es ja auch nicht grundsätzlich verboten ist, im Kanal zu schwimmen. Aber auch wir möchten natürlich auf bestimmte Dinge hinweisen und sensibilisieren“, sagt Kai Richter, Pressesprecher der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen.

„Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Einsätze am Elbe-Seitenkanal durch Badende oder Brückenspringer gehabt – dieses Jahr noch nicht“, so Richter, der aus seiner langjährigen Polizei-Praxis an die tödlichen Badeunfälle im Oldenstädter See 2018 und im Hardausee bei Hösseringen 2012 erinnert, wo junge Männer ertranken.

Wichtige Tipps und Hinweise der DLRG

  • Nur an bewachten Badestellen schwimmen und dort immer die Warnhinweise beachten!
  • Kleine Kinder niemals aus den Augen lassen und am besten sogar immer in Griffweite bleiben!
  • Nie alleine oder unbeaufsichtigt schwimmen!
  • Eigene Leistungsfähigkeit kritisch einschätzen und nicht übermütig werden!
  • Unbekannte Gewässer meiden!
  • Baden in kalten Gewässern kann zu Unterkühlung und Krämpfen führen, damit lebensgefährlich werden!
  • Nie in unbekannte Gewässer, sondern nur an ausgewiesenen Sprungbereichen ins Wasser springen! Kopfsprünge im Ufer- und Flachwasserbereich können lebensgefährlich sein!
  • Luftmatratzen, Schlauchboote und Gummitiere sind gefährliches Spielzeug und können leicht abgetrieben werden!
  • Bei Gewitter sofort das Wasser verlassen – Lebensgefahr!
  • Baden in Flüssen ist besonders gefährlich durch Strömungen, Brückenpfeiler, Sogwirkungen, Unterwasserhindernisse, und Fahrrinnen – das sind unkalkulierbare Risiken!
  • Achtung an Meeren: Gezeiten und nicht erkennbare Strömungen und Unterströmungen sowie starke ablandige Winde können auch gute Schwimmer in Lebensgefahr bringen!
  • Trinken Sie vor dem Baden keinen Alkohol und vermeiden Sie ein Bad unmittelbar nach dem Essen!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare