„Biotope sind übersehen worden

Am Westufer des Diekbuschteiches wächst der geschützte Schlangenwurz-Erlenbruchwald.

Von Carola PeiserBarwedel. "Bei der Raumanalyse des Raumordnungsverfahrens zum Bau der A39 und der damit verbundenen Umweltverträglichkeitsstudie sind gravierende Fehler unterlaufen", kritisiert Diplom-Biologe und Vorsitzender des NABU-Kreisverbandes Gifhorn, Jan-Hinnerk Schwarz, das Vorgehen der vom Straßenbauamt beauftragten Planungsgruppe. Es seien gravierende Fehler gemacht worden, die auch belegbar seien. Zahlreiche hektargroße Biotope seien komplett übersehen worden, "und zwar bewusst."

Uwe Bleich, Vorsitzender der NABU-Gruppe Bromer Land, stellte bei einer stichprobenartigen Überprüfung der Amphibienkartierung im Bereich Hoitlingen und Tiddische fest, dass einige Laichgewässer wertvoller Arten gar nicht erfasst wurden. Ähnlich sieht es laut Schwarz, der für den NABU-Landesverband Niedersachsen die vegetationskundlichen Überprüfung des Raumordnungsverfahrens übernommen hatte, bei der Brutvogelerfassung und der Biotoptypenkartierung aus: "Im gesamten Untersuchungsraum von Wolfsburg bis nach Lüneburg sind mehrere hundert bis tausend Biotop- und Lebensraumtypen völlig falsch kartiert und wiedergegeben worden. Das hat natürlich gravierende Auswirkungen auf die Aus-wahl des künftigen Trassenverlaufs .

Wesentlich schlimmer sehe es allerdings bei den FFH-Verträglichkeitsuntersuchungen aus. Als Beispiel nennt Schwarz das Gebiet Vogelmoor. Die noch nicht von der EU gemeldeten Natura 2000 und FFH-Gebieten seien gar nicht untersucht worden, wo beispielsweise ältere, bodensaure Stiel- und Trau-beneichenwälder westlich von Barwedel aber auch im Nordkreis Gifhorns vorkommen. Dazu gehören aber auch die Erlenbruch- und Auwälder der kleinen aller im südöstlichen Ehra-Holz.

Als Beispiel für die mangelnde Kartierungsarbeiten hat sich der NABU den bekannten Großen Fischteich und gleichnamigen Diekbuschteich am Rande des Barwedeler Vogelmoores ausgesucht. Demnach weist der Diekbuschteich am Westufer einen größeren und selten gewordenen Schlangenwurz-Erlenbruchwald auf, der per Gesetz streng geschützt ist und in der Umweltverträglichkeitsstudie fälschlicherweise als ein nicht geschützter Birken- und Kiefernwald entwässerter Standorte eingestuft worden sei. Schwarz: "Es wird völlig übersehen, dass der Diekbuschteich nicht nur zahlreichen Ruhe- und Erholungssuchenden einen optimalen Erlebnisraum bietet, sondern auch Lebensraum für die seltene Wasser- und Teichralle, den Eisvogel, die Ringelnatter oder gar einer Graugansfamilie darstellt." Zudem sei geplant, die Alternativtrasse 566 der A39 über die vorgelagerten Wiesen verlaufen zu lassen. "Die wenigsten Bürger wissen etwas über den genauen Verlauf der geplanten Vorzugs- als auch Alternativvarianten", bemängelt der Diplom-Biologe.

Wie Schwarz erläutert, müsse man nun den Erörterungstermin abwarten, damit die Straßenbauhörde zugestehen kann, dass Fehler gemacht worden seien. "Ein Planungsbüro muss mit der Nachbesserung beauftragt werden", so Schwarz. Das sei aber im Winter nur schwer möglich, da schwer erkennbar sei, wo welche Pflanzen wachsen. Auch Brutstätten seien im Winter nicht auszumachen. Deshalb rechnet Schwarz im Frühjahr mit einer neuen Untersuchung.

Erschienen: 22.09.2006: IK / 222 / Seite:8

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