Lehrer Florian Kniedler und Ingrid Lalla erklären Formeln und Gleichungen auf leichte Art

Zweite Chance für Mathe-Muffel

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Die Lehrer Florian Kniedler und Ingrid Lalla richten sich mit ihrem Buch „So versteh ich Mathe“ an Neunt- und Zehntklässler. Sie geben den jungen Lesern „Rezepte für Gleichungen“ und Beispielrechungen an die Hand.

Bienenbüttel/Melbeck. Trockene Fomeln, schier unlösbare Gleichungen und geometrische Exerzitien: Mit der Mathematik stehen viele Schüler auf Kriegsfuß.

Der Bienenbütteler Florian Kniedler und seine Kollegin Ingrid Lalla rücken der Mathe-Phobie zu Leibe: „So versteh ich Mathe“ heißt das Buch, dass die Pädagogen des Melbecker Gymnasiums Lüneburger Heide jetzt herausgebracht haben.

„Das größte Problem sind die Lücken von vorher und dass dadurch großer Frust aufkommt“, sagt der gebürtige Kölner Kniedler (35), der als Diplom-Mathematiker zunächst eine Nachhilfeschule aufgebaut hat. Angesichts großer Klassen hätten die Lehrer kaum Zeit, individuelle Defizite aufzuarbeiten – und bislang gab es nach seinen Angaben kein Buch, in dem Schüler den Stoff übersichtlich und leicht erklärt nachlesen konnten. Die herkömmlichen Schulbücher setzen den Lehrer voraus.

Einen Vorläufer hat Kniedler, der auch noch Physik und Informatik unterrichtet, bereits in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Jetzt gibt es die Neuauflage für Niedersachsen mit dem Schwerpunkt auf der neunten und zehnten Klasse. Wenn die Schüler sich auf die vielen Zahlen einlassen, dann finden sie einfache und übersichtliche Erklärungen für die mathematischen Verfahren, die ihnen bisher ein Buch mit sieben Siegeln waren. Kniedler und Lalla sind sich nicht zu fein, bei Multiplikation und Bruchrechnung anzufangen. Sie geben „Rezepte“ für Gleichungen Beispielrechnungen.

„Wir stellen fest, dass Kinder vor Mathe Angst haben oder eine Blockade“, erzählt Ingrid Lalla (51), Lehrerin für Mathe und Holztechnik. Die soll das Buch nehmen. Es sei wichtig, die jungen Leser in ihrer Welt abzuholen. „Wir wollen in der Sprache der Schüler reden, ohne Fehler zu machen“, so Kniedler.

Eigentlich ist es erstaunlich, wie sich die beiden Lehrer in die Schüler hineinversetzen, war für sie Mathe doch schon in der eigenen Schulzeit das Lieblingsfach. „Mathe, das ist so total klar und präzise“, formuliert Ingrid Lalla eine Liebeserklärung an das Problemfach. Die gebürtige Rheinländerin entschied sich zunächst für eine Tischlerlehre – auch da geht nichts ohne Rechnen. Später wurde sie Berufsschullehrerin.

Ihr Kollege hat ein schlagendes Argument, wenn seine Schützlinge beharren: „Mathe braucht man nicht.“ Kniedler kontert: „Dann gebt mal eure Smartphones ab!“ Ohne Mathe wären die ganzen technischen Errungenschaften unserer Zivilisation nicht denkbar.

Einen Trost hat der Bienenbütteler für alle Schüler: „Mit Auswendiglernen ist in Mathe wenig zu erreichen. Es geht um Zusammenhänge. Wenn ich die durchdrungen habe, fällt das Lernen leichter.“

Von Gerhard Sternitzke

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