Zukunft selbst gestalten

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Wichmannsburg. Er ist für die Wichmannsburger ein echter Glücksfall: Seit 35 Jahren hegt und pflegt Pastor Gerd-Peter Hoogen nun schon seine Schäfchen der Kirchengemeinde mit so viel Herzblut, wie es ein Nachfolger wohl kaum leisten können wird. Denn selbst für Hoogen ist es im Laufe der Jahre immer schwieriger geworden, die Intensität, mit der er seine Gemeindemitglieder pflegt, aufrecht zu erhalten. Der eiserne Sparkurs der Landeskirche überträgt den Pastoren auf dem Land immer größere Zuständigkeitsbereiche.

Gerd-Peter Hoogen

Weil die Mitglieder des Wichmannsburger Kirchenvorstandes nicht damit rechnen, dass diesbezüglich eine Besserung in Sicht ist, haben sie nun gehandelt: Wenn Gerd-Peter Hoogen in knapp fünf Jahren in den Ruhestand geht, fürchten sie um den Fortbestand der Wichmannsburger Pfarrstelle. Damit aber genau diese erhalten bleibt, aber auch die Jugend- und Seniorenarbeit oder das Ehrenamt gefördert werden kann, wird in diesen Tagen die „St. Georgs-Stiftung Wichmannsburg“ gegründet.

„Ziel der Stiftung ist es, weiterhin ein gutes kirchliches Angebot, einen persönlichen Ansprechpartner und Seelsorger in unmittelbarer Nähe zur Verfügung zu stellen“, fasst Christine Markuszewski zusammen. Sie ist eine der knapp ein Dutzend Engagierten im Stiftungskreis, die dafür sorgen wollen, dass die Kirchengemeinde Wichmannsburg ihre Zukunft selbst gestalten kann.

„Wir wollen nicht auf jedem Fest mit einem Bratwurststand stehen, sondern langfristig etwas tun“, sagt Christine Markuszewski. So hat bereits vor einigen Tagen das gut besuchte Skiffle-Konzert in der Kirche 700 Euro in die Stiftungskasse geschwemmt, und auf dem Geburtstag eines Gemeindemitglieds wurden 800 Euro für die Stiftung gesammelt – statt Geschenken. Binnen eines Jahres sind so von etwa 200 Spendern bereits 30 000 Euro Stiftungskapital zusammengekommen.

Das ist zwar schon sehr viel, freuen sich Christine Markuszewski und ihre Mitstreiter, aber noch lange nicht genug. Denn allein mit den Zinsen des Kapitals muss und soll die Pfarrstelle in Wichmannsburg erhalten werden. Deshalb sollen weitere Konzerte oder auch ein Stiftungsfest als weitere Aktivitäten folgen. Der Stiftungskreis hofft auch auf Zustiftungen aus Familienfeiern oder Nachlässen.

Das Besondere dabei: Die Landeskirche gibt je gespendeter 3 Euro noch einen Euro dazu. So beträgt das Stiftungskapital also eigentlich 40 000 Euro. Allerdings gibt es diese kleine Finanzspritze der Landeskirche nur noch bis zum 30. Juni dieses Jahres. Wer also bis dahin das Stiftungskapital aufstockt, tut doppelt Gutes.

Pastor Gerd-Peter Hoogen, der sich bei der ganzen Angelegenheit im Hintergrund hält, ist schon ein bisschen stolz auf seinen Kirchenvorstand. Der ist mit seinem Durchschnittsalter von etwa 38 Jahren nicht nur ein recht junger, sondern auch ein sehr selbstständiger und selbstbewusster Vorstand. Zusammen mit einer außerordentlich lebendigen Kirchengemeinde kann sich ein Pastor kaum etwas Besseres wünschen. „Aber das liegt auch an ihm“, fügt Christine Markuszewski an und deutet auf Pastor Hoogen. Denn auch wegen der Kontinuität seines Wirkens und dem hohen Anspruch an seine Arbeit hat die Wichmannsburger Kirchengemeinde – im Gegensatz zu vielen anderen – kaum Austritte zu verzeichnen.

Von Ines Bräutigam

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