Dreitägiger Mittelalter-Markt in Bienenbüttel begeistert Besucher / Staunen über altes Handwerk und Heerlager

Zeitreise mit Gauklern und Wikingern

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Viel Spaß hatten die Kinder auf diesem Holzkarussell.

Bienenbüttel. „Was seid Ihr denn für komische Leute?“, riefen die Freizeitpaddler von der Ilmenau herüber. Sie wussten offenbar nicht, dass auf der Wiese neben der Ilmenauhalle in Bienenbüttel der Mittelalter-Markt seine Zelte aufgeschlagen hatte.

Die Besucher erlebten von Freitag bis Sonntag die einzigartige Gelegenheit, in vergangene Jahrhunderte einzutauchen. Veranstaltet wurde der bunte Markt von der Wirtschafts- und Tourismusgemeinschaft und präsentiert von der Allgemeinen Zeitung.

„Gehabt Euch wohl“, hieß es im Zelt von Siglind von Tonhöcht, nachdem sie Einzelheiten aus ihrem realen Leben erzählt hatte. In Wirklichkeit heißt sie Simone Schwagmann, arbeitet aber auch wie im Mittelalter als Schneiderin. Die Laborantin Nadine Rothhard indessen hatte noch nicht den richtigen historischen Namen für sich gefunden – die meisten in der Mittelalter-Szene kennen sie unter dem Namen Nuwo.

Der Auftritt des Gauklers war neben der Feuerschau am Abend ein Renner beim Publikum. Fotos: Jansen

„Wenn ich im Mittelalter gelebt hätte, hätte ich mich selbst gespielt“, sagte der Landschaftsgärtner Sebastian Kobbe, der sich für sein aufwendiges Hobby eine Legende als Var Ulfeson zugelegt hat. Sie alle haben viel gelesen über das Mittelalter und sich ein echtes Wissen angeeignet, aber vieles von dem, was sie umsetzen entspringt ihrer Fantasie und Wunschvorstellung. Und genau das reizte die Besucher. Sie erlebten auf den Ilmenauwiesen ein Heerlager mit Rittern, Söldnern und Gauklern, dazu kampfeslustige Wikinger und Hunnen. Mittendrin war Marktvogt Glambek Graf von Fembria, der im richtigen Leben Franz Bachmann heißt.

Jung und Alt konnten bei ihrem Rundgang einiges lernen, zum Beispiel am Wikingerschiff, das an der Ilmenau festgemacht hatte. „Nein, die Wikinger sind nie mit behörnten Helmen über die Meere gereist“, erfuhren die Gäste dort. Die Nordmänner trugen zwar Helme, aber sicher keine Hörner, weil sie sich damit in der Takelage ihrer Schiffe verfangen hätten.

Doch nicht nur Wissen, sondern auch die Illusion lockte die Besucher zum Mittelalter-Markt. Der öffentliche Badezuber, in dem eine ganze Familie Platz hatte, gehörte schon wegen der heißen Temperaturen zu einer der Hauptattraktionen. Ebenso wie der Gaukler mit dem Namen „Immernochfrank“. Er begeisterte das Publikum mit seinen Späßen, Tricks und losen Worten. Weitere Attraktionen waren ein Riesenrad aus Holz, eine Feuershow und eine deftige Rittertafel mit allerlei Speis und Trank.

Mittelalterliche Handwerker – Schuster, Steineschleifer, Tafelmaler, Schmiede, Wollwerker und viele mehr – gaben sich ebenfalls ein Stelldichein. Auf großes Interesse bei den Besuchern stießen die Familien, die sich als „Das Gesindel der Falkenburg“, „Lumpenpack“ oder „Infinitum Varietas“ im mittelalterlichen Lager niedergelassen hatten. Auch die vielen Mitmach-Angebote für Kinder freuten die Eltern. Denn nicht nur sie, sondern auch ihr Nachwuchs konnte einen wirklich aufregenden Tag verbringen. Weitere Fotos gibt es in der Online-Galerie unter

Von Angelika Jansen

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