Gutachten soll klären, ob Windräder gebaut werden können

Wulfstorf: Im Revier des Seeadlers

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Seeadler bei der Jagd. Kanal, Jastorfer und Oldenstädter See bieten reiche Jagdgründe. Mit Windrädern verträgt sich die größte einheimische Adlerart nicht.

Wulfstorf – „Wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigal“, sagt das Sprichwort. In diesem Fall geht es auch noch größer.

Überall im Landkreis stehen jetzt die Investoren für neue Windräder in den Startlöchern, doch nicht alle werden ihre Millionen-Investitionen tatsächlich umsetzen können.

Der Grund ist manchmal auch ein erfreulicher: Im Kreisgebiet haben sich vier Seeadler-Paare angesiedelt, so auch in der Nähe von Hohnstorf. Für den dort geplanten Windpark mit drei Anlagen könnte dies das Aus bedeuten. Für zwei bei Wulfstorf geplante Windräder werden die Auswirkungen gerade geprüft.

Derzeit beobachtet ein Planungsbüro im Auftrag der Investoren, zweier einheimischer Landwirte, das Gebiet am Steilberg bei Wulfstorf. „Wir müssen belegen, dass der Seeadler das Gelände nicht befliegt“, erklärt Harald Otter, auf dessen Flächen die Windräder gebaut werden sollen.

Die Gutachter haben im Frühjahr auf Flugbewegungen großer Raubvögel geachtet. Bislang scheint sich der Adler für die Ackerflächen nicht interessiert zu haben. Sein Revier ist vor allem der Kanal. Weitere Beobachtungen soll es im Winter geben, wenn die Balz beginnt. Insgesamt sind 43 Beobachtungstermine mit je drei Personen geplant.

Die Studie ist Voraussetzung für eine Baugenehmigung. Frühestens 2021 könnten die Windräder errichtet werden. Drei Kilometer um den Horst sind tabu für Windkraftanlagen. „Wir sind gerade an der Grenze“, sagt Otters Kompagnon Hans-Wilhelm Giere aus Bargdorf. „Im Moment haben wir keinen Anlass, die Planung abzubrechen. Wir bleiben ganz entspannt.“ 10 Millionen Euro wollen die beiden Landwirte investieren.

Karl-Heinz Köhler, Kreisvorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu), freut sich über die Rückkehr der Seeadler. Eingewandert ist die größte einheimische Adlerart, deren Weibchen Spannweiten von bis zu 2,40 Meter aufweisen, über den Elbe-Seitenkanal. Dieser bietet wie auch die beim Kanalbau entstandenen künstlichen Gewässer wie Jastorfer und Oldenstädter See reiche Jagdgründe. Allerdings verschmähen die Tiere auch Aas nicht.

100 bis 200 Quadratkilometer groß sind die Reviere der Raubvögel. Auch ein Fischadler ist bereits im Kreisgebiet heimisch. Über die Standorte der Horste spricht Köhler jedoch nicht. „Wir wollen das nicht so publik machen, weil einige Leute mit dem Fotoapparat hinterherlaufen“, begründet er die Zurückhaltung.

Dagegen ist für Köhler klar, dass sich Windräder und Adler nicht vertragen. „Wenn die Windräder unter Druck stehen, sind sie rasend schnell. Da hat der Adler keine Chance.“

VON GERHARD STERNITZKE

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