Samuel Herzog (23) lebt je eine Jahreshälfte in Hohnstorf und im Ausland

„Würde mich gefangen fühlen“

Ein Leben in der ganzen Welt: Samuel Herzog kehrt mit seiner Frau Caterina und Sohn Noah immer wieder nach Hohnstorf zurück, große Teile des Jahres verbringt die Familie aber im Ausland. Foto: Beye
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Ein Leben in der ganzen Welt: Samuel Herzog kehrt mit seiner Frau Caterina und Sohn Noah immer wieder nach Hohnstorf zurück, große Teile des Jahres verbringt die Familie aber im Ausland.

Hohnstorf. An einen festen Wohnort gebunden zu sein, kommt für Samuel Herzog nicht in Frage. Der 23-Jährige liebt und braucht die Freiheit, verbringt die Zeit mit seiner kleinen Familie – Ehefrau Caterina und dem knapp zweijährigen Sohn Noah – an diversen Orten.

In diesem Jahr waren die drei bereits in Indien, Indonesien, Malaysia und Myanmar – fünf Monate lang unterwegs. Das zweite Halbjahr, also etwa von Juni bis Ende Dezember, verbringt Herzog in seinem Heimatdorf Hohnstorf. Dort lebt er mit seiner Familie in einer Wohnung im Haus seiner Eltern. „Hier kommen wir immer wieder her“, erzählt Samuel Herzog – lange Haare, Bart, alternativ angehauchte Klamotten, barfuß. Sein ganzes Leben an diesem einen Ort zu verbringen, könne er sich allerdings nicht vorstellen: „Ohne Perspektive, von hier wegzukommen, würde ich mich gefangen fühlen. “.

Im Alter von 19 Jahren – fast direkt nach dem bestandenen Abitur – verließ Samuel Herzog Deutschland zum ersten Mal. Nach Australien. „Dort habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, was ich vom Leben erwarte und was ich studieren möchte“, erzählt Samuel Herzog. Während der Schulzeit habe er sich noch vorstellen können, Anwalt zu werden. Nach Australien folgten Stationen in Indien und Nepal, wo „ich gewandert bin und viel meditiert habe“. Dabei habe er für sich festgestellt, dass es ihn nicht glücklich machen würde, nur die Erwartungen anderer zu erfüllen. „Schule hat mir eigentlich nur vermittelt, dass ich nach dem Abi kurz Zeit für mich habe, dann studieren und arbeiten muss und erst mit 65 Jahren machen kann, was ich will“, sagt Samuel Herzog. Das war für ihn keine zufriedenstellende Perspektive. „Glück ist eben sehr individuell.“

Nachdem er seine Frau, eine Chilenin, in Nepal kennengelernt hatte, suchten die beiden zusammen nach einer Möglichkeit, „so wenig Zeit mit Arbeit verbringen zu müssen, die wir nicht gerne machen“. Eine Idee musste her. Und die kam auch: Schmuckstücke mit Molekularstrukturen. Ein Jahr lang reiste das Paar umher, um den Schmuck auf Goa- und Trance-Festivals zu verkaufen. „Viel Geld kam dabei zunächst nicht rum“, sagt Samuel Herzog. Das änderte sich mit der Zeit, das Paar lernte von einer Inderin das Goldschmieden und von Südamerikanern, wie man traditionellen Drahtschmuck herstellt.

Samuel Herzog stellt zwei rote Blechdosen auf den Tisch und holt Schmuck hervor: Ketten aus Draht mit eingefassten Steinen, Anhänger mit Steinen in silber- oder goldfarbener Drahteinfassung. „Uns geht es darum, Dinge zu produzieren, die neu sind“, betont Herzog. Dass er mit seinem Geschäft auch ein Rädchen in der wirtschaftsorientierten Gesellschaft geworden ist, der er eigentlich ein Stück weit entfliehen wollte, ist ihm bewusst: „Wir verdienen Geld, indem wir Sachen verkaufen, die niemand braucht.“

Dennoch reizt ihn das Geschäft mit dem Schmuck. „Aber wohl nur so lange, bis ich es komplett verstanden habe. Das kann aber dauern, es ist kompliziert.“ Und: Das Leben als Schmuckverkäufer sei für ihn wie „ein BWL-Studium in der Praxis, nur facettenreicher“, erklärt der Sohn eines Internisten und einer Psychotherapeutin.

Von Florian Beye

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