Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge zu Vorstoß der Grünen, das Waffenrecht zu verschärfen

„Die wollen die Jagd ganz verbieten“

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Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge holt ein Jagdgewehr aus dem gesicherten Waffenschrank. 

Bornsen/Hohnstorf. Sicherheitsrisiko Jäger? Der Landesvorstand der Grünen will das Waffenrecht verschärfen.

In einem Antrag zur Landesdelegiertenkonferenz im Dezember, der sich dem Bereich innere Sicherheit widmet, heißt es: „Bündnis 90/Die Grünen fordern ein generelles Verbot der Lagerung von Schusswaffen in Privathaushalten, eine elektronische Registrierung sämtlicher Schusswaffen in einem bundesweiten Waffenregister sowie die Verbannung großkalibriger Waffen aus dem Schießsport. “.

Begründet wird der Vorstoß, der auch die Sportschützen betreffen würde, mit den Amokläufen von Winnenden und München. Diese zeigten, dass es in Deutschland viel zu leicht sei, an Waffen zu gelangen. Die Landesjägerschaft läuft Sturm gegen das Vorhaben. Und auch Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge hat wenig Verständnis dafür.

„Wie kann man alle Waffenbesitzer unter Generalverdacht stellen?“, fragt der Bornsener. „Wir haben in Europa das schärfste Waffengesetz. Die illegalen Waffen erwischt man damit nicht“, ist der Kreisjägermeister überzeugt. Und er verweist auf unangekündigte Vor-Ort-Kontrollen der Landkreise, die in Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden eingeführt worden sind. Ein Großteil der 1500 Jäger im Kreisgebiet seien bereits überprüft worden.

Dabei geht es vor allem um die Lagerung der Waffen, die für Unberechtigte, auch Familienangehörige, nicht erreichbar sein sollen. Jagdgewehre müssen in einem gesicherten Waffenschrank aufbewahrt, die Munition getrennt davon verschlossen werden. „Wer heute einen Jagdschein machen will, wird zigmal überprüft“, sagt Hellbrügge. Die Waffenbesitzkarte muss spätestens alle drei Jahre erneuert werden. Schon wer mit Alkohol am Steuer erwischt werde, verliere spätestens beim zweiten Mal den Waffenschein wegen „Unzuverlässigkeit“, betont der Kreisjägermeister.

Zu dem Vorschlag des Grünen-Vorstands hat er eine klare Meinung: „Wir wissen, wo das hinführt: Die wollen die Jagd ganz verbieten.“ Dazu allerdings müsste das Grundgesetz geändert werden. Weil es dafür kaum eine Mehrheit gebe, werde nun Druck von anderer Seite aufgebaut.

Die AZ hat auch den grünen Landtagsabgeordneten Heiner Scholing um eine Stellungnahme gebeten. „Ich finde es nicht schädlich, dass wir die Debatte darüber führen“, sagt Scholing. Der Zugang zu Waffen müsse erschwert werden. Deshalb sei es auch nicht schlecht, Waffen elektronisch zu registrieren, meint der Hohnstorfer Grünen-Politiker. „Unter der Voraussetzung, dass ausreichend kontrolliert wird, halte ich die jetzige Regelung aber für ausreichend.“

Von Gerhard Sternitzke

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Grüne: Waffenmissbrauch eindämmen 

Auf Anfrage der AZ konkretisiert die Landesvorsitzende der Grünen in Niedersachsen Meta Janssen-Kucz den Antrag des Landesvorstandes: „Wir Grüne in Niedersachsen setzen uns für eine Reform des Waffengesetzes ein, um die Gefahr von Missbrauch einzudämmen. Im Kern geht es uns um drei Punkte: Wir wollen großkalibrige Waffen aus dem Schießsport verbannen und setzen uns für ein zentrales elektronisches Waffenregister ein. Darüberhinaus fordern wir ein grundsätzliches Verbot der Lagerung von Schusswaffen in Privathaushalten. Auch der Handel mit Dekorationswaffen muss effektiver kontrolliert und eingeschränkt werden. Uns kommt es darauf an, eine Debatte anzustoßen und Konzepte zur sicheren Verwahrung von Waffen zu erarbeiten. Wie die bestmögliche Sicherheit herzustellen ist, ob durch zentrale oder denzentrale Aufbewahrung von Waffen und bei welchen Berufsgruppen abweichende Regelungen gelten sollen, gilt es dann auszuloten.“

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