Uwe Martens vom Freundeskreis freilebender Wölfe stellt sich gegen Pläne von Umweltminister Lies

Wolfsdebatte: Abschießen hilft nicht

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Werden einzelne Wölfe abgeschossen, rücken Tiere von außerhalb nach. Sie bringen Unruhe ins Rudel und verhalten sich auffälliger, warnt Uwe Martens vom Freundeskreis freilebender Wölfe.

Embsen. Startet Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies gerade die Wende im Umgang mit dem Wolf?

Nachdem der SPD-Politiker vorgeschlagen hat, weitere Ausnahmetatbestände zum Abschuss einzelner Exemplare zu prüfen und möglicherweise wolfsfreie Bereiche einzurichten, widerspricht nun der Freundeskreis freilebender Wölfe in einem offenen Brief. Vor allem befürchtet der zweite Vorsitzende Uwe Martens, die Zuständigkeit könne vom Wolfsbüro auf die Landwirtschaftskammer übertragen werden.

Uwe Martens

„Die haben keine Kompetenz in geschützten Wildtieren“, betont Martens im Gespräch mit der AZ. „Der Wolf als streng geschütztes Tier ist im Umweltministerium korrekt angesiedelt und bedarf keiner Überstellung in die Landwirtschaftskammer, um effektiver zu werden. Das Wolfsbüro sollte unserer Meinung nach eher gestärkt werden.“ Tatsächlich werde dort die Personaldecke zunehmend ausgedünnt. „Ich verstehe nicht, dass die Arbeitsverträge von zwei von drei Tierärzten im Wolfsbüro nicht verlängert worden sind“, kritisiert Martens, der auch Wolfsberater im Landkreis Lüneburg ist. Zudem sei der Arbeitskreis Wolf, in dem Wolfsberater und Weidetierhalter Mitglieder sind, als beratendes Gremium außer Funktion gesetzt worden.

Überhaupt nicht verstehen kann Martens, dass Lies ankündigt, neue Ausnahmetatbestände zum Abschuss einzelner Wölfe schaffen zu wollen. Gemäß Wolfsmanagementplan sei das ja bereits möglich – und 2016 beim Abschuss von Kurti umgesetzt worden. „Das wäre Vergeltung“, findet Martens, dessen Umweltverband 330 Mitglieder zählt. Die Tötung einzelner Wölfe bringe die Rudelstruktur durcheinander. „In Gebieten mit fester Rudelstruktur ist es ruhiger, als wo ein Wolf zuwandert.“

Wichtiger sei eine Förderung der Weidetierhalter, etwa durch eine Weideprämie oder Herdenschutz-Pauschalen für Schäfer. Auch könnte das Land zukünftig alle Wolfsrisse entschädigen, auch da, wo kein DNA-Nachweis möglich sei, regt Martens an. „Wir können uns das leisten.“

Das Umweltministerium weist die Vermutungen zurück. Weder werde der Arbeitskreis Wolf abgeschafft noch wechsele die Zuständigkeit für den Wolf, teilt Sprecherin Sabine Schlemmer-Kaune mit. „Es gibt Überlegungen, ob nicht der Herdenschutz besser in der Landwirtschaftskammer aufgehoben wäre, weil diese näher an den Tierhaltern ist.“

Von Gerhard Sternitzke

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