Auf dem früheren Güterbahnhofsgelände in Lüneburg entsteht ein neuer Stadtteil für 1500 Menschen

Wohnen mit Bahnanschluss

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Auf dem Gelände des ehemaligen Lüneburger Güterbahnhofs entsteht ein neues Stadtviertel: Der Ilmenaugarten soll einmal Heimat für 1500 Menschen werden. Vier Bauträger investieren 150 Millionen Euro in das Quartier.

Lüneburg. Kranballett an der Ilmenau. Ein Neubau nach dem anderen wächst zwischen Fluss und Bahngleisen in die Höhe. Ein Lkw mit Baumaterial pflügt durch eine breite Pfütze, in der sich die Gerüste spiegelten.

Dazwischen eilt der Briefträger von Tür zu Tür – Post für die ersten Bewohner im neuen Lüneburger Stadtteil Ilmenaugarten. Hier sollen einmal 1500 Menschen leben.

Eine der ersten Bewohnerinnen: Julia Tettamanti mit Sohn Frederik. Die 35-jährige Personalreferentin ist in zehn Minuten am Bahnhof. Vom Balkon aus kann man die Bauarbeiten verfolgen.

Vor einer Woche ist Julia Tettamanti mit ihrer Familie aus Hamburg nach Lüneburg gezogen. 120 Quadratmeter, großzügiges Wohnzimmer mit Küchenzeile, Schlafzimmer, Kinderzimmer, zwei Bäder. Im Flur stehen noch die Umzugskartons. Knapp 400 000 Euro sind im Vergleich zu Hamburger Preisen günstig. „Wir wollten stadtnah wohnen“, sagt Julia Tettamanti. Die Innenstadt mit Bars und Cafés ist gut zu Fuß zu erreichen – wie in Hamburg. Im Stadtviertel soll zudem ein kleines Zentrum entstehen, der Wasserplatz, erzählt die 35-Jährige. Sie arbeitet in der Hamburger Hafencity als Personalreferentin, ihr Mann als Onlinevermarkter. „Wir brauchen zehn Minuten zum Gleis.“ Einen Parkplatz brauchen die Tettamantis nicht. Sie besitzen kein Auto. Für besondere Fälle sind sie beim Carsharing angemeldet.

Fast alle Wohnungen sind nach Westen ausgerichtet, die besten liegen direkt am Ilmenauradweg. Teilweise werden sie mit klingenden Namen beworben, „Bootshaus“ etwa. Die Baustelle mit den großen Balkonen liegt tatsächlich gegenüber dem Bootsverleih. Der Verleiher putzt gerade seine Tretboote. Hier in der Nähe des Ilmenauwehrs übertönt das Rauschen des Wassers alles. Lautlos gleiten die Autos auf der vielbefahrenen Willy-Brandt-Straße vorbei.

Auch von den Zügen hinter der Lärmschutzwand ist kaum etwas zu hören. „Die Bahn – die hören wir nicht“, sagt Julia Tettamanti. Die Fenster an der Loggia vor dem Kinderzimmer von Sohn Frederik sind mehrfach verglast. Die Lüftung tauscht alle zwei Stunden die Raumluft aus.

350 Wohnungen sind derzeit im Bau. 180 davon werden dieses Jahr fertig. Nur zwei davon sind noch nicht verkauft, berichtet Manfred Schulte, Geschäftsführer der Ilmenaugarten GmbH. Zusammen mit drei weiteren Unternehmen investiert der Bauträger 150 Millionen Euro in den neuen Stadtteil. Inzwischen wachsen die Wände im zweiten Bauabschnitt. Ein dritter ist geplant.

350 Wohnungen sind derzeit im Bau. 180 davon werden dieses Jahr fertig. Nur zwei davon sind noch nicht verkauft, berichtet Bauträger Manfred Schulte.

Der Name Ilmenaugarten ist ein Wechsel auf die Zukunft, denn das elf Hektar große Gelände gehörte zum Lüneburger Güterbahnhof. „Wir hatten auf dem Gelände alles, was man sich vorstellen kann: Altlasten, Blindgänger, eine der Hauptabwurfstellen des zweiten Weltkriegs“, berichtet der Bauträger. Immer, wenn die Bahnlinie gesperrt war, hatten Bauarbeiter wieder eine Bombe gefunden. „Das ganze Gelände wurde drei Meter tief umgepflügt. Es ist jetzt 100 Prozent bombenrein“, betont Schulte. Mit Venedig hat das Viertel gemein, dass es auf Pfählen steht. Die Betongründungen sind bis zu 14 Meter tief in den morastigen Boden getrieben.

Von der Friedrich-Ebert-Brücke gibt es eine eigene Zufahrt zum Stadtviertel. Über 300 Parkplätze für die Bewohner sind eingeplant, denn längst nicht alle wollen auf das Auto verzichten wie die Tettamantis. „Wenn man auf Carsharing übergehen würde, könnte man auf 50 Prozent der Stellplätze verzichten. Zurzeit ist das noch nicht soweit“, räumt Schulte ein. Auch die Studentenwohnanlage ist auf eine Tiefgarage gesetzt. Die „Mikroapartments“ bestehen aus Tisch, Stuhl und Regal.

Bis 2020 soll der Ilmenaugarten komplett besiedelt sein. „Wir werden versuchen, bewusst das Tempo zu drosseln“, kündigt der Bauträger an. „Wir sind an der Grenze der Kapazität.“

Von Gerhard Sternitzke

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