Gemeinde will den Eigentümer mit einer Planänderung zwingen, die Anlage in Bargdorf zurückzubauen

Wird die Tiermehlfabrik abgerissen?

In der Tierkörperbeseitigungsanstalt Bargdorf wurden jährlich 30 000 Tonnen Nutztierkadaver und Schlachtabfälle zu Tiermehl und Fett verarbeitet.

Bargdorf. Den süßlichen Geruch haben die Bargdorfer noch heute in der Nase. Vor zehn Jahren wurde die Tierkörperverwertungsanstalt Bargdorf geschlossen.

Seitdem ist es still geworden in der Anlage, in der früher jährlich 30 000 Tonnen verendete Nutztiere und Schlachtabfälle zu Tiermehl und Fett verarbeitet wurden. Jetzt will die Gemeinde Bienenbüttel den Eigentümer dazu bewegen, die Fabrik abzureißen.

Das Fabrikgelände aus der Luft. Die Gemeinde will, dass der Eigentümer die Anlage komplett zurückbaut.

„Seuchengefahr“, warnt immer noch ein Schild am Stahltor, dass mit einer Kette gesichert ist. Gebäude, asphaltierte Zufahrten, Silo und Schornstein wirken intakt – so als könnten morgen wieder Förderschnecken und Knochenbrecher arbeiten. Viele Bürger empfinden die Anlage am Ende des Butterbergswegs als Schandfleck in der Landschaft. „Wir ändern den Flächennutzungsplan, um die Voraussetzung für einen Abriss zu schaffen“, erklärt Bargdorfs Ortsvorsteher Christopher Tieding, der gleichzeitig im Gemeinderat als Bauausschussvorsitzender fungiert. Bislang gilt das Gelände als Sondergebiet, zukünftig soll es als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen werden – Feld, Wald oder Wiese statt versiegelter Flächen. „So dass der Landkreis als Bauaufsicht an den Eigentümer herantreten kann und den Abriss fordern wird“, skizziert Tieding den weiteren Ablauf.

Für den Rückbau der Fabrikanlage führt er verschiedene Gründe an. „Die bauliche Sicherung ist nicht mehr erfolgt“, so Tieding. „Und die Anlage liegt in einem umwelttechnisch sensiblen Bereich, weil hier der Barumer Bach fließt. Tieding: „Die Eigentümer haben eine Verantwortung, wenn sie so eine Anlage in die Landschaft gestellt haben.“

Vor der Einstellung der Produktion im Jahr 2005 wechselte die Anlage bereits mehrmals den Eigentümer. Von der Firma Rendac in Belm bei Osnabrück erhielt die AZ keine Auskunft, ob das Unternehmen einen Rückbau der Bargdorfer Fabrik in Erwägung zieht oder ob es andere Pläne gibt. Ein Mitarbeiter kommentierte: „Warum tritt die Gemeinde nicht an uns heran?“

Die Tierkörperbeseitigung, mit der Rendac von den Landkreisen beauftragt ist – Tierkadaver werden bei den Landwirten im Landkreis Uelzen abgeholt – scheint eine anrüchige Sache zu sein. Jedenfalls verzichtet das Unternehmen im Internet auf eine Selbstdarstellung. Laut Osnabrücker Zeitung (Stand: 2012) betreibt Rendac deutschlandweit insgesamt elf Tierkörperbeseitigungsanstalten.

Die Fabrik in Belm-Icker ist mit 125 Mitarbeitern die größte im Land. Täglich bis zu 1000 Tonnen Tierkadaver und Schlachtabfälle werden dort in einem eingekapselten System gemahlen, bei 133 Grad sterilisiert und anschließend getrocknet. Fett und Fleischmehl werden an die chemische Industrie sowie an Dünger und Mischfutterhersteller verkauft.

Von Gerhard Sternitzke

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