Landesrechnungshof moniert, dass die Mieteinnahmen für das Audimax zu hoch kalkuliert sind

Wird die Rechnung aufgehen?

Für Uni-Präsident Sascha Spoun ist der Tag der offenen Tür im neuen Audimax im Mai ein Tag der Freude: Staunen und Begeisterung überwiegen die Kritik an der explosionsartigen Kostensteigerung. Der Landesrechnungshof übt jedoch erneut Kritik. Fotos: dpa/privat
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Für Uni-Präsident Sascha Spoun ist der Tag der offenen Tür im neuen Audimax im Mai ein Tag der Freude: Staunen und Begeisterung überwiegen die Kritik an der explosionsartigen Kostensteigerung. Der Landesrechnungshof übt jedoch erneut Kritik.
  • Gerhard Sternitzke
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Lüneburg/Hannover. Ein Vierteljahr nach der Eröffnung ist Ruhe eingekehrt in der Debatte um die Kostenexplosion beim neuen Audimax der Leuphana-Universität. Die Hochschule bietet Führungen an, manche sind ausgebucht.

Der Landesrechnungshof erwähnt das Projekt, das sich von ursprünglich 58 auf vermutlich über 100 Millionen Euro verteuert hat, in seinem neuen Jahresbericht nicht einmal. Das heißt allerdings nicht, dass jetzt alles in Ordnung ist, denn in der Kontrollinstanz ist man überzeugt, dass auch das Nutzungskonzept nicht aufgeht.

„Wir meinen, dass die Mieteinnahmen, die die Hochschule erwartet, sehr optimistisch sind und die Rechnung nicht aufgehen wird“, berichtet Lutz Bardelle, Senatsmitglied beim Landesrechnungshof. Die Hochschule geht davon aus, dass Veranstaltungen Dritter 37 Prozent ausmachen. Dadurch will sie in zehn Jahren Mieteinnahmen von drei Millionen Euro erzielen. Nicht berücksichtigt sind dabei Stadt und Kreis Lüneburg, die sich mit Millionenbeträgen ebenfalls ein Nutzungsrecht erworben haben. Und Bardelle gibt zu bedenken: „Die Hochschulnutzung muss immer vorgehen.“

Auch bei den Betriebskosten gibt es arge Bedenken. „Da gibt es keine gesicherten Erkenntnisse“, so Bardelle, „aber unsere Vermutung ist, dass es in einem so extravaganten Gebäude mit vielen Ecken und Kanten teurer wird. Das ist erst mal ungenutzter Raum, der irgendwie gepflegt, geheizt und gelüftet werden muss.“

Zunächst wartet der Landesrechnungshof aber gesicherte Erkenntnisse ab. In drei Jahren soll laut Bardelle das Nutzungskonzept der Hochschule erneut geprüft werden.

Die 37 Prozent auswärtigen Veranstalter spielen auch eine Rolle bei den Baukosten. Die Hochschule, so Bardelle, sei davon ausgegangen, dass sie in dieser Höhe Vorsteuern abziehen könnte. Ist es weniger, wird das Projekt automatisch teurer. „Es wird immer realer, dass es deutlich über 100 Millionen Euro werden.“

Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff kann die Kritik nicht nachvollziehen: „Die kalkulierten Mieteinnahmen sind realistisch und marktgerecht. Das zeigen auch die ersten Mietverträge über mehrere tausend Euro, die bereits kurz nach der Eröffnung des Gebäudes geschlossen werden konnten.“ Auch beim Verkaufserlös von Immobilien habe der Landesrechnungshof nicht immer richtig gelegen: „Beim unlängst erfolgten Verkauf einer Liegenschaft der Universität wurde der angenommene Verkaufspreis aber sogar noch deutlich übertroffen.“

Ministeriumssprecherin Margit Kautenburger gibt sich wortkarg: „Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur geht davon aus, dass die Universität Lüneburg die geplanten Veranstaltungen kostendeckend anbieten wird.“ Und betont: „Bislang gibt es keine Abschlussrechnung.“

Ein anderer Neubau, der zum Symbol für exorbitante Kostensteigerungen wurde, ist inzwischen ein beliebtes Touristenziel. Die Konzerte in der Hamburger Elbphilharmonie sind auf Monate ausverkauft. Ist also vielleicht auch das Audimax eine gute Investition, wenn der Bau, der freies Denken symbolisieren soll, Studenten und Professoren anzieht?

Das sieht Lutz Bardelle anders. „Ist es uns das wert? Wie kommt das bei anderen Hochschulen an, die auf Geld warten?“

Von Gerhard Sternitzke

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