Landtagskandidaten stellen sich in Bienenbüttel vor / Diskussion von A 39 bis Lehrerversorgung

Es wird nur Einen geben

„Ländlicher Raum vernachlässigt“: Jörg Hillmer (CDU).
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„Ländlicher Raum vernachlässigt“: Jörg Hillmer (CDU).

Bienenbüttel. Fliegender Wechsel auf der Straße. Neben den Kandidaten zur Bundestagswahl tauchen seit Montag die Plakate von Jörg Hillmer und Andreas Dobslaw auf. In gut zwei Wochen wird ein neuer Landtag in Hannover gewählt.

Der Abgeordnete der CDU und sein SPD-Herausforderer werben um das Kreuz für das Direktmandat. Der Bürger aber tut sich schwer, von Bundes- auf Landespolitik umzuschalten. Ganze 20 Zuhörer verirren sich am Dienstag ins Bienenbütteler Feuerwehrhaus, wo Hillmer, Dobslaw, Rainer Fabel (FDP) und Martin Feller (Grüne) auf Einladung der Wählergemeinschaften schildern, wofür sie stehen.

„Wir sanieren Straßen“: Andreas Dobslaw (SPD).

Dabei geht es um viel. „Es wird nur einen Abgeordneten aus dem Kreis Uelzen geben“, mahnt Andreas Dobslaw. Der Grund: Weder er noch Hillmer werden über einen Listenplatz in den Landtag einzuziehen. „Es ist die Aufgabe von Abgeordneten, dass sie ihren eigenen Landkreis nicht vergessen“, gibt Hillmer eine Stellenbeschreibung.

Genau hier hadert der 51-jährige Suderburger, der bereits seit 2003 das Direktmandat hat, mit Rot-Grün: „Der ländliche Raum wird von dieser Landesregierung vernachlässigt.“ Fördergelder, etwa für den öffentlichen Personennahverkehr, seien im großen Stil in die städtischen Zentren geflossen. Mit einem Bruchteil davon, so der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, hätte die Aufnahme des Landkreises in den Hamburger Verkehrsverbund finanziert werden können. Er verspricht: „Wenn die CDU was zu sagen hat, sitze ich am ganz kurzen Draht.“

Regelmäßig verweist Hillmer auf die schlechte Lehrerversorgung. Die sieht auch Dobslaw, allerdings sei das noch eine Altlast der Vorgängerregierung unter Führung der CDU. „Das Glasfasernetz im Kreis Uelzen ist im großen Stil vom Land mit gefördert“, betont Dobslaw. Handlungsbedarf sieht der 55-jährige Verkehrs-experte der Polizei aus Stadensen vor allem bei der ärztlichen Versorgung, der Zahl der Pflegekräfte und den Verkehrswegen. „Wir sanieren wieder Straßen“, hebt der SPD-Mann hervor. Erstmals mache Niedersachsen zudem keine neuen Schulden mehr.

„Wenn wir die A 39 nicht bauen...“: Martin Feller (Grüne).

Dass die Autobahn 39 schnell kommen muss, darin sind sich Dobslaw, Hillmer und FDP-Urgestein Rainer Fabel einig. Die Debatte lebt am Dienstag noch einmal auf. „Für uns geht Erhalt vor Neubau“, stellt Feller klar. 700 Hektar Land gingen im Kreis Uelzen allein durch den Autobahnbau verloren, rechnet der 54-jährige Bio-Bauer vor, der auch eine Lanze für eine andere Landwirtschaft bricht. Die Grünen wollen eine Mobilitätswende hin zu Elektrofahrzeugen, Car-Sharing und mehr Bussen und Bahnen, so Feller. „Wir brauchen ein Milliardenprogramm von Bund und Land“, fordert Feller. „Wenn wir die A 39 nicht bauen, behalten wir ein paar Milliarden über.“

„Lehrer auf Schule 4.0 vorbereiten“: Rainer Fabel (FDP).

„Für die Elektroautos brauchst du auch die Straße“, kontert Fabel. Er sieht große Chancen in der Digitalisierung. Junge Unternehmen könnten sich dank Glasfasertechnologie und günstiger Immobilien im Landkreis Uelzen niederlassen und über das Internet tätig werden. Nachholbedarf sieht er in den Schulen: „Die kleinen Kinder laufen immer noch mit dem großen Tornister herum. Wir müssen unsere Lehrer auf die Schule 4.0 vorbereiten“, rät der 61-Jährige. Allerdings müssten nicht immer mehr Schüler studieren: „Wir brauchen nicht nur denkende Leute, sondern auch welche, die arbeiten.“

Die Diskussion in Bienenbüttel verläuft fair, persönliche Angriffe bleiben aus. Kathrin Otte (Linke) und Maik Hieke (AfD) kommen nicht zu Wort. Sie seien zum Zeitpunkt der Einladung noch nicht bekannt gewesen, erklärt Moderator Klaus-Georg Franke. „Wir sind auch nicht ganz unglücklich, dass die Kandidaten der extremen Parteien nicht dabei sind.“

Von Gerhard Sternitzke

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