1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Bienenbüttel/Lüneburg

„Wir stehen vor einem Rätsel“

Erstellt:

Von: Gerhard Sternitzke

Kommentare

„Eigentlich ist das ein super Produkt“, sagt Heiko Neben über den Kompost aus Embsen. Warum ein Steddorfer Landwirt verunreinigtes Material erhielt, wird jetzt untersucht. Fotos: Sternitzke
„Eigentlich ist das ein super Produkt“, sagt Heiko Neben über den Kompost aus Embsen. Warum ein Steddorfer Landwirt verunreinigtes Material erhielt, wird jetzt untersucht. © Sternitzke

Steddorf/Embsen. Heiko Neben ist ratlos. Der mit Müll durchsetzte Kompost, den ein Landwirt auf einem Acker bei Steddorf ausgebracht hat, stammt aus seinem Betrieb.

Die erst im vorigen Jahr gegründete Firma Lünerecycling verarbeitet verunreinigtes Material aus Kompostierungsanlagen. Das Endprodukt liegt auf einem Haufen auf dem Betriebsgelände im Gewerbegebiet Embsen bei Melbeck: ein feinkrümeliges, schwarzes Material. Von Müll keine Spur.

„Es ist schwer zu sagen, was da passiert ist“, sagt Abfallwirtschaftsingenieur Neben. „Wir stehen vor einem Rätsel.“ Tatsache ist: Der Steddorfer Landwirt ist einer von insgesamt fünf Berufskollegen, die den Kompost aus Embsen auf ihre Felder ausbringen. 700 Kubikmeter des Humusmaterials mit Zertifikat hat er vor zwei Wochen abgeholt.

Neben ist um den Ruf seines jungen Unternehmens besorgt. Man treibe einen hohen technischen Aufwand, um das Material in seine Bestandteile zu trennen, das aus Kompostierungsanlagen der Landkreise Uelzen, Herzogtum Lauenburg, Nienburg, Göttingen und Kassel stammt. 70 Tonnen verunreinigten Kompost pro Tag verarbeitet das Unternehmen. In einer speziellen Siebmaschine werden die Kompostbestandteile, zehn bis 20 Prozent der Gesamtmenge, herausgefiltert. In weiteren Schritten werden Metall, Holz und Folien zur Wiederverwertung beziehungsweise zum Verfeuern getrennt.

„Wir holen den gleichen Kompost raus, den die Landkreise hatten“, betont Neben. „Eigentlich ist das ein super Produkt.“ Mehr als mal ein einzelner Schnipsel Folie bleibe in dem Produkt nicht zurück. Eine Analyse über die enthaltenen Nährstoffe und den pH-Wert wird den Landwirten mitgeliefert, so Neben. Er will nun mit Geschäftsführer Karsten Burmester untersuchen, wo der Fehler beim Kompost für das Steddorfer Feld gelegen haben könnte.

Burmester sieht aber auch eine gewisse Mitverantwortung bei dem Landwirt: „Er hat den Kompost selbst abgeholt. Da hätte ihm auffallen müssen, dass Fremdstoffe drin sind.“.

Auf dem Acker am Ortsrand von Steddorf ist von der Verunreinigung nicht mehr viel zu sehen. Der Landwirt hat das Material gestern auf einem großen Teil der Fläche eingearbeitet. Er habe sich unter Druck gesetzt gefühlt – eine Kurzschlussreaktion erzählt er der AZ. Ein Mitarbeiter des Umweltamts untersagte ihm genau das, allerdings erst am späten Dienstagnachmittag, wie Landkreis-Sprecher Martin Theine einräumt.

Nun soll ein Strandreiniger helfen, den Müll von Plastikteilchen und Scherben bis hin zu Messern und Batterien vom Acker zu holen, kündigt der Landwirt an. „Wenn’s funktioniert, gucken wir, wer’s am Ende bezahlt.“

Von Gerhard Sternitzke

Auch interessant

Kommentare