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Radwege-Schilder verschwinden in Bienenbüttel: „Wir sind gezwungen“

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Von: Gerhard Sternitzke

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„Der Autofahrer nimmt den Radfahrer auf der Straße viel besser wahr“, betont Matthias Schild, Leiter der Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis Uelzen. Das sei durch Studien belegt.
„Der Autofahrer nimmt den Radfahrer auf der Straße viel besser wahr“, betont Matthias Schild, Leiter der Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis Uelzen. Das sei durch Studien belegt. © dpa

Bienenbüttel. Ungewöhnliche Mehrheiten im Bienenbütteler Bauausschuss: Mit einer Stimme des Grünen Reinhard Schelle-Grote empfiehlt das Gremium am Donnerstagabend, die meisten Radwegeschilder im Kernort Bienenbüttel verschwinden zu lassen.

Matthias Schild
Matthias Schild © Sternitzke

Möglich ist das, weil sich die Mehrheit von CDU, KA und SPD enthält. Nein-Stimmen: keine. Teils stimmen KA-Mitglieder für einzelne Maßnahmen. Zukünftig gilt auch in Bienenbüttel das Prinzip: Radfahrer auf die Straße! „Aus unserer Sicht wäre es wünschenswert gewesen, wenn der Status quo erhalten geblieben wäre, aber eigentlich sind die Würfel längst gefallen – nämlich in Berlin“, erklärt Christopher Tieding (CDU) das ungewöhnliche Abstimmungsverhalten. Mit Berlin meint er eine bereits 1997 erfolgte Änderung der Straßenverkehrsordnung. „Wir sind gezwungen“, fasst Ausschussvorsitzender Holger Janßen (KA) zusammen.

„Sie haben in Bienenbüttel kein Unfallproblem“, räumt auch der Verkehrssicherheitsbeauftragte der Polizei Andreas Dobslaw ein. Dennoch seien Polizei und Straßenverkehrsbehörde an das Gesetz gebunden. Erst recht, seit 2010 das Bundesverwaltungsgericht den Grundsatz „Radfahrer auf der Straße“ noch einmal festgeschrieben habe, wie Behördenleiter Matthias Schild betont. Aufgrund von Klagen habe man bereits in Rosche, Wieren und Suderburg die Beschilderung entfernt. Im Übrigen sei durch Studien belegt: „Der Autofahrer nimmt den Radfahrer auf der Straße viel besser wahr.“

In Bienenbüttel haben die Grünen bei einer öffentlichen Befahrung auf viele Ungereimtheiten bei der Radwegebeschilderung im Dorf hingewiesen. Der Seniorenbeirat hat dagegen auf die Bedürfnisse älterer Radfahrer aufmerksam gemacht, die sich auf der Straße nicht sicher fühlen. Auf Antrag der KA ist die Entscheidung deshalb verschoben worden. Vor allem an der Schützenallee wünscht sich Marie-Luise Held als beratendes Ausschussmitglied, dass Radfahrer weiterhin den Gehweg benutzen dürfen. Doch da macht das Straßenverkehrsamt angesichts der geringen Breite nicht mit. „Das ist lediglich eine Erhöhung der Gefahrenlage“, stellt Amtsleiter Schild klar. Und das umso mehr, als immer mehr Menschen auf Elektrofahrrädern schneller unterwegs seien.

An neuralgischen Punkten sind zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der Radfahrer geplant. So ist an der Schützenallee ortseinwärts ein Schutzstreifen. An der Bahnunterführung dürfen Radfahrer weiter auf dem Fußweg Richtung Waldbad fahren.

Von Gerhard Sternitzke

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