Gericht stellt kritische Fragen

Zirkusschimpanse darf bei seinem „Vater“ Klaus Köhler bleiben – „Will Robby das überhaupt“

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Zirkusdirektor Klaus Köhler hat sich gegen die Wegnahme seines Schimpansen Robby gewehrt: „Das ist genauso, wie wenn man mein Kind nimmt“, sagt er vor Gericht.

Lüneburg. „Unschuldig eingesperrt“ steht auf dem Schild, das ein Aktivist in der Hand hält. Der Käfig, in dem er mit Affenkostüm sitzt, ist beängstigend klein.

Schimpanse Robby, um den es am Donnerstag vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg ging, bewohnt immerhin einen Zirkuswagen mit 25 Quadratmetern zuzüglich Auslauf. Zu wenig, finden die Vertreter der Tierschutzorganisation Peta. Ein emotionales Thema.

Zirkusdirektor Klaus Köhler wehrt sich in dem Berufungsverfahren gegen die Anordnung des Landkreises Celle, den 43-jährigen Zirkusaffen in eine spezielle Einrichtung zur Resozialisierung von Schimpansen zu überstellen. „Das ist genauso, wie wenn man mein Kind nimmt“, sagt er mit brechender Stimme vor Gericht – und wird erhört: Robby darf bleiben, entscheiden die Richter schließlich.

„Will Robby das überhaupt?“, fragt sein Anwalt Kersten Riedesel. Die Tierschutzorganisation würde diese Frage wohl mit Ja beantworten. „Er ist in der Entwicklung stehengeblieben. Er kann bestimmte männliche Verhaltensweisen nicht ausleben“, erläutert Sachverständiger Dr. Pierre Grothmann. Zum artgerechten Verhalten von Schimpansen gehöre auch die Gruppenbildung und das Herumstreifen in einem größeren Gelände. Das biete eine auf die Resozialisierung von Schimpansen spezialisierte Einrichtung in der Niederlanden.

„Wir glauben, dass die Risiken geringer sind als die Erfolgschancen, eine bessere Unterbringung zu erreichen“, ist Michael Cordioli, Erster Kreisrat des Landkreises Celle, überzeugt. Genau daran hat nicht nur Köhlers Rechtsanwalt seine Zweifel. Auch die Richter fragen kritisch nach. So will Vizegerichtspräsident Dieter Muhsmann wissen, worin denn Robbys schwere Verhaltensstörung eigentlich besteht. Daran, dass der Affen-Opa sich in bestem Pflegezustand befindet gibt es ja keinen Zweifel. „Es ist ein Mangel an Sozialkompetenz, an sozialen Kontakten. Ausgeprägte Verhaltensstörungen konnte ich nicht beobachten“, räumt Gutachter Grothmann ein.

Dagegen befürchtet Anwalt Riedesel das Schlimmste für den Zirkusaffen, der nach seinen Angaben sogar 47 Jahre alt ist. Robby sei ja auf den Menschen geprägt, mit seinen neuen Genossen könnte es schwere Missverständnisse geben. Bisse und sogar die Tötung des Affen seien möglich. Und als Affenmännchen könne sich Robby schon gar nicht ausleben, schließlich sei er ja kastriert.

Seine Sicht macht sich auch das Gericht zueigen. Der Landkreis habe die Risiken nicht richtig eingeschätzt, begründet es die Entscheidung. Und die Resozialisierung könne sich zwei bis drei Jahre hinziehen. Robby darf also bleiben. Eine Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht wird nicht zugelassen.

„Es ist empörend, dass die tierschutzwidrige Haltung auf den wenigen Quadratmetern eines umgebauten Transportanhängers ohne soziale Kontakte zu Artgenossen weiterhin geduldet wird“, kritisiert Peta-Fachreferentin Dr. Yvonne Würz. Vier Pfoten fordert ein bundesweites Wildtierverbot im Zirkus.

Von Gerhard Sternitzke

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