Hohnstorfer Grünen-Politiker Heiner Scholing kandidiert nicht wieder für den Landtag

„Wenn man die Welt verändern will“

Heiner Scholing hat sich gegen eine erneute Kandidatur für den Landtag entschieden. „Ich möchte mehr Zeit und mehr Freiheit haben“, sagt der Hohnstorfer Grünen-Politiker.
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Heiner Scholing hat sich gegen eine erneute Kandidatur für den Landtag entschieden. „Ich möchte mehr Zeit und mehr Freiheit haben“, sagt der Hohnstorfer Grünen-Politiker.

Bienenbüttel-Hohnstorf. Die Wahl 2013 hat Heiner Scholings Leben verändert. Völlig unerwartet fand sich der Leiter einer Lüneburger Förderschule im Landtag in Hannover wieder. Von einem scheinbar aussichtslosen 20. Listenplatz der Grünen – mitten in den politischen Meinungsstreit.

Jetzt, vier Jahre später, steht fest, dass der 63-jährige Hohnstorfer bei der Landtagswahl im Januar 2018 nicht wieder antritt.

„Ich möchte mehr Zeit und mehr Freiheit haben“, sagt der Grünen-Politiker. Mehr Zeit für die Familie, Freunde, Sport, zum Lesen. „Ich habe durch meine Krankheit auch einen anderen Blick auf Zeit bekommen“, erklärt Scholing beim Gespräch in der Bienenbütteler Markthalle. „Ich hätte früher anfangen sollen.“

Für viele politische Ziele reiche eine einzige Wahlperiode nicht aus. Etwa in der Verkehrspolitik. Als kleiner Partner der SPD konnten die Grünen die Entscheidung für die Autobahn 39 nicht verhindern. Und dann scheiterte Rot-Grün auch noch vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg mit der Verlängerung der Lehrer-Arbeitszeit an den Gymnasien.

„Das war eine bittere Erkenntnis“, räumt der schulpolitische Sprecher der Grünen und Vorsitzende des Kultusausschusses ein. „Politik heißt, ein Stück weit in der Realität anzukommen. Da haben wir einen Fehler gemacht.“ Die Grünen hätten aber aus diesem Fehler gelernt. Das Kultusministerium bemühe sich nun, die Arbeitsbedingungen der Pädagogen zu verbessern.

Die Bildung ist Scholings Leidenschaft. Unter anderem habe Rot-Grün erreicht, dass viele Grundschulen zu Ganztagsschulen geworden seien. Und es gebe mehr Sozialarbeiter für die Schulen. Besonders liegt dem früheren Direktor der Lüneburger Schule am Knieberg die Inklusion am Herzen, die Teilnahme von Schülern mit Handicap am normalen Schulunterricht. „Unser großes Problem sind fehlende Förderschullehrer“, betont der Grünen-Politiker. „Das ist ein Punkt, den ich noch bearbeiten möchte.“ Die Zahl der Studienplätze in diesem Bereich habe man bereits verdoppelt.

Auch die Debatte um den Wolf ließ Scholing nicht kalt. Ausgerechnet auf seiner Weide schlug der Rückkehrer zu. Scholing setzte sich mit den Weidetierhaltern zusammen. Einige Verbesserungen seien schon erreicht, so Entschädigungszahlungen für Hobbyschafhalter und der geplante Aufbau einer Einsatzgruppe Herdenschutz. Bislang ungeklärt sei dagegen die Frage der Vergrämung von Wölfen.

Der Einstieg in die Politik – vor der Wahl 2013 hatte Scholing lediglich im Bienenbütteler Gemeinderat gesessen – war für den bescheidenen Pädagogen nicht leicht. „Der Schock“, so der erste grüne Abgeordnete des Landkreises Uelzen, „war, wie rüde Politiker miteinander umgehen. Wenn ich ans Rednerpult gehe, werde ich ständig unterbrochen.“

Als Rezept gegen zunehmende Politikverdrossenheit in der Bevölkerung empfiehlt der Hohnstorfer den Abgeordneten, mehr Klartext zu reden: „Mehr klare Aussagen! Ein bisschen Wahrhaftigkeit ist auch nicht verkehrt“, findet Scholing.

Dem Politik-Seiteneinsteiger half seine Sachkenntnis als früherer Schulleiter, um sich im Landtag Gehör zu verschaffen. „Ich musste mich nicht groß ändern“, sagt Scholing. Eines hat er in Hannover aber gelernt: „Wenn man die Welt verändern will, braucht man Macht.“

Von Gerhard Sternitzke

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